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mit einem Wort Militarismus."5

Wenige Monate später, im Dezember 1884, setzte die kaiserliche Marine die Kriegsschiffe 'Bismarck" und "Olga" in Marsch, um einen Aufstand in Kamerun niederzuschlagen. Gleichzeitig wurde die Aufstellung deutscher Kolonialtruppen eingeleitet. Die Sozialdemokraten sahen darin "denselben Vorgang, wie er sich typisch fast überall abspielt, wo Europäer kolonisieren";6 sie erkläarten, in den Kolonien sei man noch schneller zum Kriegführen entschlossen als in Europa.

Als die "Kaiserlichen Schutztruppen in Afrika" formiert wurden, beriefen sich die Kolonialchauvinisten auf die "Überlegenheit der weißen Rasse" und das "deutsche Recht auf Weltgeltung". Sie behaupteten, in Afrika gelte es, mit entschlossenem Einsatz der militärischen Macht eine "zivilisatorische Mission" zu erfüllen. Die imperialistische Propaganda stellte die deutschen Kolonialoffiziere auf eine Stufe mit Forschern wie Robert Koch oder Theodor Bilharz, die sich in aufopferungsvoller Arbeit um die Völker Afrikas verdient gemacht hatten. Den Aufbau eines straff organisierten Verwaltungsapparates und die Entwicklung der Infrastruktur pries sie als beispielhafte militärische Kulturleistungen. Unter § 1 der "Schutztruppen-Ordnung" hieß es, "Zweck der Schutztruppen" sei die "Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in den afrikanischen Schutzgebieten, insbesonders (die) Bekämpfung des Sklavenhandels". 7

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion trat solcher Demagogie unbeirrbar entgegen. Wie sie nachwies, wurde der militärische Beitrag zur Erschließung Afrikas durch die Vernichtung unermeßlicher Produktivkräfte völlig entwertet. Die "Kaiserlichen Kolonialtruppen" wirkten dem gesellschaftlichen Fortschritt entgegen. Ihr wahrer Auftrag bestand darin, die Völker Afrikas zu versklaven, zu enteignen und zu dezimieren sowie eine skrupellose Soldateska auf den Einsatz gegen das eigene Volk vorzubereiten. Von dieser Erkenntnis ließ sich die sozialdemokratische Fraktion leiten, wenn der Reichstag periodisch über die Haushaltpläne für die "Schutzgebiete" verhandelte. Bei den Beratungen der Etats für die "Schutztruppen" und den kolonialen Eisenbahnbau kam es zu scharfen Kontroversen. Ohne Ausnahme verweigerten die sozialdemokratischen Abgeordneten ihre Zustimmung. Auf den Vorwurf, sich damit christlicher und nationaler Verantwortung zu entziehen, antwortete August Bebel: "Nicht für Christentum, nicht für Humanität, nicht für Kulturinteressen wird die Kolonialpolitik ... gemacht, sie wird nur gemacht, um die Interessen der herrschenden Klassen nach allen Richtungen zu schützen und zu fördern, um deren Sucht nach Macht, Reichtum und Einfluß zu befriedigen." 8

Die "Kaiserlichen Schutztruppen in Afrika" bestanden offiziell seit 1891 als selbständiger Teil der Streitkräfte des Deutschen Reiches. Zu Beginn des ersten Weltkrieges hatten sie in Ostafrika, Kamerun und Südwestafrika einen

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