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Personalbestand von jeweils annähernd 2000 - 3000 Mann. Aus diesen relativ geringen Truppenstärken wurde verschiedentlich geschlossen, das Kaiserreich habe die Forderung Bismarcks befolgt, die Kolonien nicht militärisch zu besetzen.9 Dabei bleiben allerdings solche Faktoren unberücksichtigt wie das hohe Niveau der Ausbildung und Bewaffnung, die jederzeit mögliche Auffüllung der Formationen mit deutschen und afrikanischen Reservisten sowie die Einbeziehung der Polizeikräfte in die Gefechtshandlungen. Insbesondere war für die Kampfkraft der "Schutztruppen" ausschlaggebend, daß sie bei Aufständen kurzfristig durch die Marine und in Deutschland dislozierte Heeresverbände verstärkt werden konnten. Damit waren praktisch unbegrenzte Reserven verfügbar, wenngleich keine reguläre Kolonialarmee nach englischem oder französischem Vorbild geschaffen wurde.

Bewerber für den Dienst in den "Schutztruppen" gab es unter den kaiserlichen Offizieren mehr als genug. An deren fachliche und moralische Qualifikation wurden keine Ansprüche gestellt. Nicht selten versetzte man Offiziere in die "Schutzgebiete", weil sie wegen skandalöser Affären in der Heimatgarnison nicht mehr tragbar waren. Hinzu kamen ehrgeizige Militärs, die in den ständigen Kolonialkriegen die Chance für eine steile Karriere sahen. Das Offizierskorps der "Schutztruppen" kultivierte den Typ des von Houston Stewart Chamberlain und Friedrich Nietzsche gepriesenen "Herrenmenschen", der keine Skrupel hatte, das "Recht des Stärkeren" geltend zu machen.

Die Mannschaften der deutschen Kolonialtruppen rekrutierten sich hauptsächlich aus afrikanischen Kriegern, den Askari. Mehr oder minder zum Dienst gepreßt, korrumpiert und nach preußischen Vorschriften gedrillt, erwiesen sie sich überwiegend als willfährige Söldner. In den "Kaiserlichen Schutztruppen" wurde strenge Rassentrennung durchgesetzt; die "Schutztruppenordnung" legte fest: 'Deutsche Militärpersonen gehen den 'Farbigen' ohne Rücksicht auf die Charge stets vor."10 Die Kolonialherren waren jedoch daran interessiert, die afrikanischen Landsknechte trotz der Rassenschranken fest an sich zu binden. Mit einigen Privilegien suchten sie ihnen ein gewisses Sozialprestige gegenüber der Bevölkerung zu sichern.11 Der Sold des Askari, der nach Dienstgrad, Dienststellung, Dienstzeit und Verhalten gestaffelt war, lag um das drei- bis dreizehnfache über dem eines Plantagenarbeiters; hinzu kam die Aussicht auf Pension. 12

Der in der kolonialapologetischen Literatur gerühmten Treue der Askari waren sich die deutschen Militärs nie sicher. Nur notgedrungen gab man den Afrikanern Waffen in die Hände. So beurteilte es der Chef der Kreuzerdivision, Kapitäan zur See Schröder, am 24.02.1905 in einem 'Militärpolitischen Bericht' über den Aufenthalt in Kamerun als sehr bedenklich, daß der Ersatz der "Schutztruppe" trotz des drohenden alligemeinen Aufstandes "zum größten Teil aus der Kolonie selbst gedeckt" wurde; dies könne "folgenschwer werden, um so mehr als jeder entlassene Schwarze, nachdem er unsere Kampfesweise,

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