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Schießfertigkeit usw. gelernt, in sein Heimatdorf zurückkehrt".13 Solche Warnungen fanden Beachtung.14 Nach Möglichkeit warb man die Askari in anderen Kolonien an; in der Schutztruppe für Südwestafrika wurden nur Europäer bewaffnet.

Kolonialkriege und militärische Aktionen regionalen Ausmaßes erschütterten die deutschen "Schutzgebiete" in kaum unterbrochener Folge. Allein für Ostafrika verzeichnete die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes 1891 - 1897 in ihren Akten 4 Kriege und über 60 größere Unterwerfungs- bzw. Strafexpeditionen.15 Der permanente Kriegszustand führte zu Mißernten, Hungerkatastrophen und Seuchen, zur Vernichtung unschätzbarer materieller Werte und zur Entvölkerung weiter Gebiete.

Die Kriege, die kaiserliche Militärs wie Francois, Müller, Trotha und Lettow-Vorbeck in Deutsch-Südwestafrika in Kamerun und in Deutsch- Ostafrika führten, waren in der Kolonialgeschichte nicht ohne Beispiel. Sie entsprachen der grausamen Niederschlagung des Sepoy-Aufstandes in Britisch- Indien, den Kolonialgreueln in Belgisch-Kongo und den verheerenden Expeditionen von Voulet und Chanoine in Französisch-Westafrika. Die Praktiken der deutschen Kolonialherren unterschieden sich also nicht prinzipiell von den Gepflogenheiten anderer Mächte. Augenfällig ist aber, daß subtilere Herrschaftsmethoden - wie die ideologische Manipulierung, die Anwendung des Prinzips "divide et impera" und der Einsatz ökonomischer Stimuli - eine weit geringere Rolle spielten als zur gleichen Zeit in den Kolonialreichen Englands und Frankreichs. Die Handlungen der "Kaiserlichen Schutztruppen" wurden in den benachbarten Kolonien gelegentlich recht kritisch kommentiert. So berichtete die Zeitschrift "West Africa" unter der Überschrift "Germany's Colo- nizing Methods" im Januar 1903: "They pin their faith to drastic measures, so fight first and talk afterwards, their method of settling new territory being to march through with a force and break the different tribes as they pass along."16 Offensichtlich fürchteten die englischen Kolonialbehörden gefährliche Auswirkungen auf das Verhalten der afrikanischen Bevölkerung in ihrem eigenen Machtbereich.

Wenn die deutschen Kolonialherren die unverhüllte militärische Gewalt bevorzugten, so erklärt sich dies nicht nur aus mangelnden Erfahrungen von Eroberern, die bei der Aufteilung der Welt zu spät gekommen waren. Die Ursachen liegen auch in den Machtverhältnissen des Kaiserreiches. Der preußisch-deutsche Staat war - wie Karl Marx 1875 geschrieben hatte - "ein bürokratisch gezimmerter, polizeilich gehüteter, mit parlamentarischen Formen verbrämter Militärdespotismus".17 Sein reaktionärer und aggressiver Charakter wurde seit der Jahrhundertwende durch das zur Expansion drängende Monopolkapital noch verstärkt.

Die Kolonialtruppen des deutschen Imperialismus gingen mit äußerster

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