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Härte gegen die Befreiungsbewegungen der Völker Afrikas vor. Ihre Operationen waren von zahlreichen Kriegsverbrechen begleitet, an denen sich später die Ideologen des Hitlerfaschismus orientierten. 18

Über den planmäßigen Genozid in Südwestafrika ließ der Große Generalstab von seiner Kriegsgeschichtlichen Abteilung ein aufschlußreiches Selbstzeugnis publizieren.19 Als die kaiserlichen Truppen 80% der Herero und 50% der Nama ausgerottet hatten, schrieben die Historiker des Generalstabes, gerade darin bestehe die underläßliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes: "Wer hier kolonisieren wollte, mußte zuerst zum Schwert greifen und Krieg führen - aber nicht mit kleinlichen und schwächlichen Mitteln, sondern mit starker, Achtung gebietender Macht bis zur völligen Niederwerfung der Eingeborenen". 20

Die Maßnahmen zur Erschließung Südwestafrikas waren weitgehend von militärischen Erfordernissen bestimmt. In den ersten zwei Jahrzehnten deutscher Herrschaft zielten sie vor allem darauf ab, günstige Bedingungen für die endgültige Eroberung des Landesinneren zu sichern. Besonderes Augenmerk galt Hafen- und Eisenbahnanlagen; denn die wachsende Truppenstärke führte zu erheblichen Nachschubproblemen. In den ersten Jahren war zur rückwärtigen Sicherstellung je 100 Mann der "Schutztruppe" ein Fuhrpark mit 400 bis 600 Ochsen erforderlich.21 Gouverneur Leutwein berichtete am 20.07. 1896 in einem Schreiben an den Reichskanzler, "nicht die Vermehrung der Schutztruppe bis in das Ungemessene" dürfe als nächster Schritt zur Stärkung der deutschen Machtpositionen angesehen werden, "sondern der Bau von Eisenbahnen, namentlich derjenigen von der Küste nach Windohoek".22 Mit Recht stellte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion fest, daß die mit zivilisatorischen Aufgaben begründeten Pläne für koloniale Verkehrswege von den Interessen der Kolonialmilitaristen diktiert waren. Deshalb stimmte sie gegen die Bewilligung der geforderten Mittel.

Als im Jahre 1903 die Arbeiten an einer Eisenbahn von Swakopmund nach Otavi in Angriff genommen wurden, fühlten sich die Herero tödlich bedroht. Die abschließende Etappe ihrer Unterwerfung und Expropriation hatte begonnen. Der Bau dieser Eisenbahn trug dazu bei, die Erhebung vom 12.01.1904 zu provozieren.23 Die "Kaiserliche Schutztruppe für Südwestafrika" suchte den Aufstand mit hemmungslosem Terror zu ersticken. Gouverneur Leutwein, der sie in der ersten Phase des Krieges befehligte, berichtete am 17.04.1904 an die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, man sei "nicht mit besonderer Schonung vorgegangen" und habe noch keine Gefangenen gemacht.24 Damit bestätigte er, was August Bebel am 19.03.1904 im Reichstag nachgewiesen hatte.25 In der Öffentlichkeit wurde die barbarische Kriegführung von den Verantwortlichen zunächst allerdings weiterhin bestritten. Gleichzeitig organisierte der Generalstab einen groß angelegten Ausrottungsfeldzug.

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