X hits on this document

942 views

0 shares

0 downloads

0 comments

113 / 367

  • -

    85 -

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion solidarisierte sich unmißverständlich mit dem Verzweiflungskampf, den die Herero und Nama in den Jahren 1904 - 1907 gegen die militärisch weit überlegenen Kolonialherren führten. "Das Recht zum Aufstand, das Recht zur Revolution", sagte August Begel am 30.01.1905 "hat jedes Volk und jede Völkerschaft, die sich in ihren Menschenrechten aufs alleräußerste bedrückt fühlt". 26

Den Oberbefehl über die Kolonialtruppen in Südwestafrika übernahm im Juni 1904 Generalleutnant von Trotha, der sich bereits bei der blutigen Niederschlagung von Befreiungsbewegungen in Ostafrika und in China hervorgetan hatte. Seine Ernennung war für die Kolonialpolitik des deutschen Imperialismus symptomatisch. Mit Rückendeckung bei Wilhelm II. und Graf Schlieffen,27 den Chef des Großen Generalstabes, vertrat Trotha die Konzeption des Völkermords: "Gewalt mit krassem Terrorismus und selbst mit Grausamkeit auszuüben, war und ist meine Politik. Ich vernichte die afrikanischen Stämme mit Strömen von Blut und Strömen von Geld. Nur auf dieser Aussaat kann etwas Neues entstehen, was Bestand hat".28 Um dieses Programm zu realisieren, wurden Generalleutnant von Trotha auf dem Höhepunkt der Kämpfe 15 000 Mann des kaiserlichen Heeres unterstellt.

Charakteristisch für die Vernichtungsstrategie waren Planung und Verlauf

der Schlacht am Waterberg. Die Direktiven für den Angriff auf die im August 1904 südlich des Waterberges eingeschlossenen 50 - 60 000 Herero - einschließlich Frauen und Kinder - sahen vor, daß im Südosten nur schwache

Kräfte eingesetzt wurden. Damit beabsichtigte man, den Gegner nach der Wüste Omaheke hin durchbrechen zu lassen; denn "in dem wasserlosen Sandfelde mußte er verdursten".29 Unter Einsatz von 21 Kompanien Infanterie, 8 Batterien Feldartillerie und 3 Maschinengewehrabteilungen wurden die Herero nach erbitterten Kämpfen in die Wüste gedrängt. Anschließend blieb dieses Gebiet auf 250 km Länge bis Juni 1905 hermetisch abgeriegelt. Das Ziel war eindeutig: "Die wasserlose Omaheke sollte vollenden, was die deutschen Waffen

begonnen hatten: die Vernichtung des Hererovolkes".

30

"Der große General des mächtigen Deutschen Kaisers"31 -wie sich Trotha in einer Proklamation an das Volk der Herero nannte - lehnte es kategorisch ab, Gefangene zu machen. Selbst Frauen und Kinder sollten mit Schüssen in die Wüste zurückgetrieben werden; denn Milde würde "von Seiten der Herero nur also Schwäche aufgefaßt werden"; es sei notwendig, "daß die Nation in sich untergeht".32 Wie August Bebel sagte, hatte Trotha an höchster Stelle jede Unterstützung, denn sonst wäre es "schier unbegreiflich, daß ein General einen solchen Befehl erlassen kann, der allen Grundsätzen des Kriegsrechts, der Zivilisation, der Kultur und des Christentums widerspricht".33 Tatsächlich rechtfertigte Wilhelm II. die Vernichtung der Herero mit dem Bemerken, daß die Gebote des Christentums "gegenüber Heiden und Wilden keine Gültigkeit hätten”. 34

Document info
Document views942
Page views942
Page last viewedSun Dec 04 23:15:18 UTC 2016
Pages367
Paragraphs3833
Words145620

Comments