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Die Befehle Trothas wurden widerspruchslos ausgeführt. Der sozialdemokratische Abgeordnete Ledebour sprach von der erneut bestätigten Erfahrung, daß "diese verruchten Ausbeutungs- und Unterdrückungskriege in den Kolonien ... zu einer Verrohung und Entsittlichung der Eroberer führen". Die herrschenden Klassen verstandales,die Kolonialtruppen gegen den Einfluß der Marxisten und anderer humanistisch gesinnter Kräfte weitgehend abzuschirmen. Sie erreichten dies mit rassistischer und nationalistischer Beeinflussung, verbunden mit scharfer Überwachung und nicht zuletzt mit dem Versprechen, die Soldaten an der kolonialen Ausplünderung zu beteiligen. "Land rauben und Gutsbesitzer werden"36 - so kommentierte W.I. Lenin eine amtliche Mitteilung vom Oktober 1906, derzufolge 591 Mann der in Südwestafrika eingesetzten Truppen nicht nach Deutschland zurückkehren Wollten. 35

Die erbarmungslose Kriegführung gegen die Herero brachte den Kolonialherren nicht den erwarteten Erfolg. Der Feldzug in Südwestafrika zog sich hin und untergrub das militärische Prestige des wilhelminischen Deutschlands. So konnten sich schließlich jene Kräfte Gehör verschaffen, die die "Vernichtung der Eingeborenen ... wirtschaftlich für schädlich und militärisch für undurchführbar" 37 hielten. Widerstrebend entschloß sich Wilhelm II. zu der Weisung, "den sich ergebenden Herero Gnade zu gewähren".38 Daraufhin schuf man "Konzentrationslager für die einstweilige Unterbringung und Unterhaltung der Reste des Herero-Volkes",39 in denen in der Folgezeit auch Angehörige anderer Stämme eingekerkert wurden. Einer Zusammenstellung des Oberkommandos der Schutztruppen zufolge, sind "45,2 % der gesamten Gefangenen gestorben".40 Wahrscheinlich hat die Mortalität in den Lagern sogar bei 60 gelegen.41 Als Generalleutnant von Trotha am 19.11.1905 aus Südwestafrika abberufen wurde, erhielt er den "Pour le mérite", den höchsten militärischen Orden. Im Reichstag sprach ihm die Regierung den Dank aus.42

Wenn die Aufständischen schließlich bezwungen werden konnten, so war dies nicht zuletzt auf das enge Zusammenwirken der deutschen und englischen Kolonialherren zurückzuführen. Der Hochkommissar für Südafrika, Lord Milner, versicherte im November 1904 dem deutschen Diplomaten von Jacobs streng vertraulich, er wünsche "nichts mehr als sich der kaiserlichen Regierung insoweit als möglich bei dem jetzigen kriegerischen Vorgehen dienstbar zu erweisen".43 Über das Territorium der Kapkolonie wurde ein wesentlicher Teil des Nachschubs für die deutschen Truppen herangeführt. "Ich glaube, daß es sicher noch nie dagewesen ist", schrieb der deutsche Generalkonsul in Kapstadt, von Humboldt, am 02.04.1906 nach Berlin, "daß für die Kriegführung einer ganzen Armee ein fremdes, nicht einmal freundlich gesinntes Land zur Basis der Verproviantierung gemacht worden ist". 44

Der Völkermord an den Herero und Nama war keine Ausnahme. Die 1905 bis 1907 in Deutsch-Ostafrika und in Kamerun geführten Feldzüge trugen den

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