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AUFBAU UND VERLEGUNG VON STREITKRÄFTEN FÜR DEN ÜBERSEEISCHEN EINSATZ AM BEISPIEL DES DEUTSCHEN "OSTASIATISCHEN EXPENDITIONSKORPS", 1900-1901

von

Reinhard Brühl

(Deutsche Demokratische Republik)

Im Jahre 1900 nahmen die imperialistischen Großmächte die Volksbewegung der Ihotwan (Boxeraufstand) zum Anlaß für eine militärische Intervention in China. In ihr wurden sichtige Aspekte des Verhältnisses von Streitkräften und kolonialer Entwicklung unter den Bedingungen des Übergangs des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium sichtbar. Während der Erwerb von Kolonien bzw. überseeischen Stützpunkten bis weit in das 19. Jahrhundert hinein in der Regel mit nur geringen militärischen Kräften möglich gewesen war, erforderte die Behauptung des einmal Erlangten gegenüber den konkurrierenden Mächten und der einheimischen Bevölkerung ein zunehmendes militärisches Engagement. Das stellte vor allem jüngere Kolonialmächte wie Deutschland vor die Frage, ob man sich hierin am besten auf eine am jeweiligen Ort stationierte Kolonialarmee oder auf mobile Streitkräfte für den überseeischen Einsatz orientieren solle. Ein anderer Aspekt ergab sich daraus, daß einige Mächte die fortgeschrittene Aufteilung der Welt in Frage stellten und auf den Erwerb bzw. die Ausweitung eigenen Kolonialbesitzes auf Kosten anderer, konkurrierender Mächte hinarbeiteten. Das forderte Mißtrauen und Widersprüche zwischen ihnen und gab der Allgemeinen Aufrüstung kräftige Anstöße. Wachsende militärische Macht andererseits erweiterte die materiellen Voraussetzungen für eine Politik kolonialer Expansion und ermutigte die daran interessierten Kreise, ihre Ziele weiter zu stecken.

Koloniale Expansion und Rüstungspolitik stimulierten sich also in dieser konkret-historischen Stiuation gegenseitig. In meinem Beitrag möchte ich diesem Zusammenhang am Beispiel des kaiserlichen Deutschland nachgehen und zugleich einige der militärischen lUberlegungen und Schlußfolgerungen darlegen, welche aus dieser Aktion gezogen wurden.

Die engagierte Bereitschaft des kaiserlichen Deutschland, an der Niederschlagung der Ihotwan teilzunehmen, ergab sich aus handfesten politischen und ökonomischen Interessen und Zielen seiner herrschenden Kreise. Diese waren zunächst, wie die herrschenden Kreise der anderen Interventionsmächte, keinesfalls bereit, ihre in China angeeigneten "Rechte" oder angestrebten Ziele aufzugeben und damit etwa einem Präzidenzfall für die entschiedene Abfuhr einer Politik kolonialer Expansion Vorschub zu leisten.

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