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verschiedenen Formen betriebene koloniale Expansion gegen Teile seines Territoriums zu verhindern. Andererseits wäre es für Deutschland ein allzu unwägbares und gefährliches Risiko gewesen, seine expansionistischen Ansprüche in einem regulären Krieg gegen das chinesische Kaiserreich bei gleichzeitiger militärischer Konfrontation mit seinen imperialistischen Rivalen durchsetzen zu wollen. Im Falle der Duldung oder gar Mitwirkung durch andere Großmächte aber bot diese Kräftekonstellation die Chance für eine koloniale Expansion, vor allem, wenn man seinen Forderungen mit entsprechenden militärischen Kräften Nachdruck verlieh.

Ein erster Anfang war bereits 1897 gemacht worden. Damals hatte der Mord an zwei deutschen katholischen Missionaren in China den Vorwand zur Ausführung dessen geliefert, was Wilhelm II. bereits ein Jahr früher ausgesprochen hatte. Auf den Vorschlag, mit dem Kaiser von China über die Abtretung einer sogenannten "Kohlenstation mit Umgebung" für Deutschland zu verhandeln, hatte er geantwortet: "Verhandeln! ... Das wäre geradezu lächerlich! Nein! Jetzt heißt es Schiffe concentriert, Amoy oder Kiaotschou genommen, Flagge gehißt und dann verhandelt." 3 Genau in diesem Stil wurde im November 1897 verfahren. Zuerst besetzten deutsche Marinetruppen Kiautschou, danach zwang man China für 99 Jahre einen Pachtvertrag für den Hafen und das umliegende Gebiet auf. Noch in der ersten Hälfte der 90er Jahre hatte die deutsche Forderung an China nur auf eine Kohlenstation für die Marine gelautet. Einflußreiche Kreise der Marine sowie der Industrie und des Handels aber hatten

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    wie das Auswärtige Amt in einer Denkschrift bereits im März 1897 feststellte -

diese Forderung ständig eskaliert. "Aus der Kohlenstation wurde unter den Händen der Marine allmählich eine Flottenstation, dann ein Stützpunkt für unseren Handel. Der Gesichtspunkt des kommerziellen Stützpunktes wurde von der Marine immer mehr in den Vordergrund geschoben, hauptsächlich vermutlich aus Rücksichten der Gestaltung des Marinebudgets. Schließlich ist man dabei angelangt, einen Platz zu fordern, der als Ausgangspunkt für die Begründung eines deutschen Kolonialgebietes geeignet sei."4 Jetzt nun wurden diese Pläne umgesetzt.

Das VerhaltenDeutschlands in diesen Fragen unterschied sich seinem Wesen nach nicht von der Politik anderer Großmächte zu jener Zeit. Auch sie hatten sich entweder in China festgesetzt. Gebiete dieses Landes direkt (Japan, Rußland) bzw. unter dem Tarnmantel von Pachtverträgen (wie z. B. England und Frankreich) geraubt, oder sie bereiteten sich darauf vor (USA). Die Okkupation von Kiautschou durch Deutschland war ihnen Anlaß zu weiterer eigener kolonialer Expansion. So erhielt die vor allem ökonomisch begründete Rivalität der großen Mächte neue Nahrung und verschärfte vorhandene Widersprüche zwischen ihnen. Wenn sich diese in der konkreten Situation noch nicht in ilitärischen Aktionen gegeneinander entäußerten, so spielten zwei Gründe hierfür eine besondere Rolle. Einmal lag es im gemeinsamen Interesse aller, die antiimperialistische Bewegung der Ihotwan zu zerschlagen. Für sie war der

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