X hits on this document

990 views

0 shares

0 downloads

0 comments

125 / 367

  • -

    97 -

Befreiungskampf der Ihotwan nichts anderes als der "wahnsinnige Plan, die Fremden aus China zu vertreiben".5 Zum anderen waren die Interessen jeder einzelnen der Interventionsmächte im konkreten Fall am sichersten gemeinsam zu erreichen. Auf Kosten des chinesischen Volkes fanden sie zu einem zeitweiligen Interessenausgleich.

In bürgerlichen Publikationen wird diese Politik kolonialer Expansion gerade in dieser Zeit um die Jahrhundertwende als Navalismus bezeichnet. Der BRD-Historiker W. Hubatsch z. B. definiert den Navalismus als "Summe der politischen, technischen und zivilisatorischen Errungenschaften, die an der Wende zum 20. Jahrhundert von den alten Großmächten der europäischen Pentarchie und je einer jungen, den amerikanischen und den asiatischen Kontinent dominierenden Großmacht gezielt eingesetzt werden, um Herrschaftsausdehnung auf oder über See zu erreichen zwecks sicheren Warenverkehrs, Erschließung von Rohstoffquellen, Verbreitung bestimmter Kulturauffassungen". 6

Trotz der zurückhaltenden Formulierung wird hier das Wesen dieser Politik als imperialistische Expansion zur Verteilung des Restes der nahezu aufgeteilten Welt sowie zu deren Neuaufteilung sichtbar. Keinesfalls kann man aber dem Gedanken zustimmen, wonach diese Politik durch die Errungenschaften der modernen Zivilisation, besonders auf technischem Gebiet verursacht war. Gewiß hatte die stürmische Entwicklung von Wissenschaft und Technik im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gewaltige neue Möglichkeiten zur weiteren Erschließung des Erdballs und seiner Schätze sowie zur Entwicklung der Produktion gegeben. Aber es waren nicht diese Errungenschaften und technischen Möglichkeiten an sich, die zu überseeischer Stützpunktpolitik und kolonialer Expansion führten. Diese hatten ihre Ursachen vielmehr im Konkurrenzkampf der großen Mächte sowie in ihrem Streben, in diesem Kampf nicht schlechthin zu überleben, sondern zu siegen. Und dies wiederum war keine zufällige Erscheinung, sondern Ausdruck des ökonomischen Wesens des Imperialismus, vor allem seines Profitstrebens. Die englische Zeitung "Saturday Review" faßte dies - bereits am 11. September 1897 in die Worte: "Wo immer eine Grube auszubeuten, eine Eisenbahn zu bauen oder ein Eingeborener von Brotbaumfrucht zu Büchsenfleisch, von Enthaltsamkeit zu Branntwein zu bekehren ist, überall streiten der Deutsche und der Engländer darum, an der Spitze zu sein." Und die Zeitung macht bereits die Konsequenz dieser imperialistischen Politik sichtbar, wenn sie weiter schreibt: 'illionen von kleinen Auseinandersetzungen türmen den gewichtigsten Kriegsgrund auf, den die Welt je gesehen hat."

Doch vorerst konnten sich die Großmächte noch auf Kosten eines Dritten einigen. Und die wirklichen Gründe ihres gemeinsamen Vorgehens erkannte selbst ein Mann wie der spätere preußische Generalstabschef Helmuth von Moltke der Jüngere: "Auf das eigentlich treibende Motiv der ganzen Expedition

Document info
Document views990
Page views990
Page last viewedTue Dec 06 14:50:56 UTC 2016
Pages367
Paragraphs3833
Words145620

Comments