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Interventionsmächten militärischen Nachdruck zu verleihen15 und - gegen welchen Rivalen auch immer - die eigenen überseeischen Verbindungslinien zu sichern.

Auch die Vorbereitungen für die Aufstellung und Verlegung eines Expeditionskorps wurden zügig vorangetrieben. Relativ schnell konnten bestimmte Fragen der materiellen Sicherstellung gelöst werden. So erklärten sich Vertreter der Industrie bereit, die vorgesehene Tropenausrüstung für ca. 15000 Mann in der kurzen Frist von drei Wochen zu liefern. Auch der notwendige Transportraum konnte rasch gesichert werden. Die Großreedereien HAPAG (Hamburg-Amerika-Paketfracht-Aktiengesellschaft) und Norddeutscher Lloyd erklärten, den Transport der Truppen nach China für den Preis von 0,5 Millionen Reichsmark pro Schiff zu übernehmen. 16

Über die Form der Aufstellung bzw. Zusammensetzung des Expeditionskorps aber kam es zunächst zu Diskussionen. Sollte man geschlossene Einheiten für denEinsatz zusammenziehen oder aus Freiwilligen neue Einheiten bilden oder gar eine Kolonialarmee in Form eines Söldnerheeres aufstellen? Bei der Entscheidung waren eine Reihe von Fragen zu berücksichtigen. So soliten die Einheiten schnell mobilisiert und ihre Gefechtsbereitschaft in kürzester Frist hergestellt werden. Die Tropendiensttauglichkeit des Personalbestandes mußte ebenso gesichert sein wie die Fähigkeit der Einheiten, den Anforderungen eines überseeischen Einsatzes zu entsprechen. Gleichzeitig sollte das Reichsheer durch die Aufstellung des Expeditionskorps in seiner Kampfkraft möglichst nicht geschwächt werden. Schließlich spielten die eingangs erwähnten staatsrechtlichen Fragen eine Rolle.

Für die Idee, geschlossene Truppenkörper des Heeres zu entsenden, sprachen einige Faktoren, insbesondere ihr Ausbildungsstand, ihr bereits gegebener Zusammenhalt und der Umstand, daß sie faktisch sofort verlegungsbereit waren. Dagegen sprach eine zu erwartende Tropendienstuntauglichkeit eines bestimmten Teiles der Mannschaften und Offiziere. Als noch gewichtiger aber erwies sich das Argument, daß auf diese Weise das Reichsheer in einer nicht den strategischen Planungen entsprechenden Weise geschwächt wurde. Dies gab den Ausschlag für die Ablehnung dieser Variante.

Die Aufstellung von Einneiten aus Freiwilligen der Reserve wurde aus mehreren Gründen abgelehnt. Einmal gab es die Befürchtung, es könnten sich aus Gründen der gegenwärtigen günstigen wirtschaftlichen Lage sowie aus politischen Gründen nicht genügend Freiwillige der Reserve melden. Vor allem aber standen dieser Variante die relativ lange Dauer der Aufstellung und Ausbildung, der Herstellung der Geschlossenheit und der Gefechtsbereitschaft solcher Einheiten entgegen. Dies war auch wichtiger Grund dafür, daß des Kaisers Idee von der Aufstellung einer Kolonialarmee aus Angeworbenen nicht

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