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weiter in Erwägung gezogen wurde. Außerdem widersprach es ebenfalls den strategischen Auffassungen und Plänen des Generalstabes, weitere personelle und materielle Mittel in Einheiten zu investieren, die nicht für den Einsatz in Zentraleuropa vorgesehen waren.

Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten der Aufstellung neuer Truppenteile aus Freiwilligen des Heeres. Diese Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften standen voll in der militärischen Übung. Die Geschlossenheit und Feldverwendungsfähigkeit der Einheiten konnte relativ rasch hergestellt und dazu auch noch die Zeit der Überfahrt genutzt werden. Der Umstand, daß es Freiwillige waren, bot eine fast sichere Gewähr dafür, daß mit dem Einsatz verbundene Strapazen besser ertragen und Befehle williger ausgeführt wurden. Widerstand oder Opposition gegen die Durchführung von Maßnahmen einer Strafexpedition war von ihnen kaum zu erwarten.

Am 9. Juli 1900 ergingen der Befehl und die Ausführungsbestimmungen für die Mobilisierung des Expeditionskorps und bereits am 17./18. Juli meldeten die Stäbe und Truppenteile, daß die Aufstellung abgeschlossen sei. Im Expeditionskorps waren alle Waffengattungen des Heeres und spezielle Dienste vertreten. Es setzte sich wie folgt zusammen: Kommando des Korps, 4 Regimenter Infanterie, 1 Regiment Kavallerie, 1 Regiment Feldartillerie, 1 Batterie schwerer Artillerie des Feldheeres, 1 Bataillon Pioniere, 1 Eisenbahnbaukompanie, 1 Korpstelegraphenabteilung, 1 Sanitätskompanie, 1 Munitionskolonnenabteilung, Trains und Etappenformationen.17 Bei dieser Zusammenstellung spielte neben dem generellen Auftrag des Expeditionskorps auch die Oberlegung eine Rolle, neue Waffen, Ausrüstungsgegenstände, Strukturen u. a. im feldmäßigen Einsatz zu erproben.

Die Lücken, die mit dem Abgang der Freiwilligen in den Truppenteilen des Heeres entstanden, wurden bald wieder aufgefüllt. Die Offiziere des Expeditionskorps nahm man aus dem Etat des Heeres heraus, so konnten ihre Stellen sofort wieder besetzt werden. Bei Unteroffizieren und Mannschaften erhöhte man die Einberufungsquote von Reservisten. Beide Methoden führten zwar zum Uberziehen der gesetzlich festgelegten Friedenspräsenzstärke, aber vom ohnehin ausgeschalteten Parlament waren dieserhalb keine Schwierigkeiten zu erwarten.

Die Verlegung des Expeditionskorps sollte ursprünglich am 1. August beginnen. Die Transportschiffe wären dann Mitte September in China eingetroffen.18 Die kaiserliche Regierung geriet jedoch bezüglich dieses Termins durch militärische Aktivitäten anderer Interventionsmächte zusehends in Unruhe. Rußland, Japan und Großbritannien verstärkten ihre Truppen und hatten dabei durch ihre geographische Lage bzw. durch ihre Basen und kolonialen Besitzungen in der Nähe Chinas große Zeitverluste. Japan, daß sich trotz seiner Eroberungen an der vollen Umsetzung des Sieges von 1895 über die chinesische

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