X hits on this document

999 views

0 shares

0 downloads

0 comments

130 / 367

  • -

    102 -

Armee durch den "Ostasiatischen Dreibund" behindert fühlte, strebte mit der Entsendung eines starken Truppenkontingents nach Ausweitung seiner Einflußmöglichkeiten in China.19 Die USA, obwohl durch die Kämpfe gegen die Volksbewegung der Philipinos in Ostasien stark gebunden, beabsichtigten die Gelegenheit zu nutzen und sich in Tschifu festzusetzen. Gerade die Absichten dieser beiden Staaten schienen der kaiserlichen Regierung eine potentielle Gefährdung eigener Interessen. Tatsächlich war sie an den reichen Kohlevorkommen in Tschifu interessiert, wie Wilhelm II. dem Feldmarschall Waldersee vor dessen Abreise nach-China versicherte.20

Diese Umstände veranlaßten Wilhelm II., den Abtransport des Expeditionskorps vorzuverlegen. Er begann am 27. Juli und war am 4. August beendet. Bei der Verabschiedung der Truppen erklärte Wilhelm II., sie sollten nunmehr vor dem Feinde Probe ablegen, ob die Richtung, in der Deutschland sich in militärischer Beziehung bewegt habe, die rechte sei. Zugleich war er bemüht, mit Schlagworten von "Sühne" und "christlicher Kulturmission" das militärische Eingreifen zu rechtfertigen. Schließlich gab er in seiner Rede, die als "Hunnenrede" in die Geschichte einging, die Methode des Unternehmens mit dem Hinweis vor: "Pardon wird nicht gegeben; Gefangene werden nicht gemacht." 21

Bereits am 12. August ordnete Wilhelm Il. eine Verstärkung des Ostasiatischen Expeditionskorps an. Dazu gehörten u. a. 2 Regimenter Infanterie, 1 Abteilung Feldartillerie, 1 Batterie schwerer Artillerie des Feldheeres, 1 Kompanie Pioniere und 2 Eisenbahnbaukompanien.22 Insgesamt stand damit dem Generalfeldmarschall Waldersee - der mit Zustimmung der anderen Interventionsmächte zum Oberkommandierenden aller Interventionstruppen ernannt worden war - eine verläßliche Hausmacht in Stärke von ca. 22000 Mann zur Verfügung. Mit ihr war dem kaiserlichenDeutschland eine Machtentfaltung möglich, die für die Durchsetzung der eigenen Interessen mehr als ausreichend war.

Trotz der Eile, in der das deutsche Expeditionskorps aufgestellt und verlegt worden war, traf es erst in der auslaufenden Phase der Kämpfe am Bestimmungsort ein. Bereits am 5. August hatten Truppen der Interventionsmächte einen Marsch auf Peking angetreten und die Stadt Mitte August eingenommen. Ober die Reaktion Wilhelms II. darauf berichtete der Sächsische Militärbevollmächtigte in Berlin. u. a.: "Die fast ohne Kampf erfolgte Einnahme von Peking hat sowohl Seine Majestät den Kaiser als den GrafenSchlieffen sehr unangenehm berührt. Ersterer ist sehr wenig erbaut, daß an dem entscheidenden Gefecht keine Deutschen theilgenommen haben und mißt den Russen dieSchuld zu, welche aus Eifersucht auf die vorzüglichen Leistungen der Deutschen diese nicht hätten abwarten wollen. Letzterer soll außer sich sein, daß die chinesische Hauptstadt ganz ohne Artillerie genommen worden sei. Graf Schlieffen hatte einen ganz detaillierten Operationsplan von

Document info
Document views999
Page views999
Page last viewedTue Dec 06 17:11:15 UTC 2016
Pages367
Paragraphs3833
Words145620

Comments