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Taku nach Peking ausgearbeitet und seiner Initiative hauptsächlich ist die Mitführung schwerer Artillerie zu danken, ohne welche die Eroberung der mit 20 cm starken Mauern umgebenen Tartarenstadt für unmöglich gehalten wurde." 23

Das Expeditionskorps beteiligte sich in der Folgezeit gleich den Truppen der anderen Interventionsmächte an sogenannten Strafexpeditionen gegen die chinesische Bevölkerung.24 Erst im Mai 1901 wurde es zurückbeordert und durch eine Besatzungsbrigade ersetzt. Der Grund für den hinausgezögerten Rückruf war politisch-diplomatischer Natur. Das Korps mußte erst noch als Druckmittel zur Durchsetzung der Forderungen Deutschlands in den seit Dezember laufenden Verhandlungen der InterventionsWichte mit der chinesischen Regierung dienen.

Die revolutionären Kräfte der deutschen Sozialdemokratie hatten sich sofort nach Bekanntwerden der vorgesehenen Intervention wie auch in deren Verlauf entschieden gegen diese Aktion ausgesprochen. Der Mainzer Parteitag der SPD vom September 1900 kennzeichnete treffend die ökonomischen Hintergründe dieser Politik und nahm eine Resolution an, in der die Intervention prinzipiell verurteilt, die nationale Unabhängigkeit des chinesischen Volkes verteidigt und klar zugunsten der unterdrückten chinesischen Arbeiter und Bauern Stellung genommen wurde.25 In der Folgezeit nutzte die SPD auch die Tribüne des Reichstages zur Kritik an der imperialistischen Intervention in Ostasien.26 In seiner Reichstagsrede am 19.11.1900 verurteilte August Bebet die Aktion sowie die hierzu praktizierte Verletzung der Verfassung. Zugleich setzte er sich mit dem heuchlerischen Argument auseinander, die Aktion habe nur demSchutz einiger Europäer und dem Schutz der Ausbreitung des christlichen Glaubens gedient. Möchte man, so fragte er, wirklich glauben machen, man setze die gesamte Staatsmacht ein für einige Missionen, die noch dazu durch ihre Fehler böse Zustände herbeigeführt haben? Und er antwortete: "Nein kein Kreuzzug ist's, kein heiliger Krieg; es ist ein ganz gewöhnlicher Eroberungskrieg und Rachezug und weiter nichts". 27

Im November 1900 endlich, zu einem Zeitpunkt also, da es nach einem Wort Wilhelms II. nur noch darum ging, "den Chinesen den Frieden (zu) diktieren",28 informierte die Regierung auch den Reichstag. Wilhelm II. und Reichskanzler von Bülow rechtfertigten mit scheinpatriotischem Wortgeprassel die Intervention und verharmlosten mit fadenscheinigen Ausreden die Ausschaltung des Parlaments. Und als endlich auch die Budgetkommission des Reichstages zur nachträglichen Geldbewilligung zusammengerufen wurde, schlossen sich auch andere Parlamentarier der schon von Bebel geübten Kritik an. Der Abgeordnete Lieber (Zentrum) kritisierte die Aufstellung des Ostasiatischen Expeditionskorps als Verstoß gegen den Wortlaut und den Geist der Verfassung. Dies wiege noch schwerer als die Verletzung des Budgetrechtes des Reichstages. Der abgeordnete Richter verurteilte "diese einseitige

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