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Neubildung (des Expeditionskorps - R. B.) ohne Votum der gesetzgebenden Faktoren (als) eine eklatante Verletzung des Reichsmilitärgesetzes". Und er fügte hinzu, daß er nicht wünsche, daß aus dem Expeditionskorps plötzlich eine Kolonialarmee entstünde.29 Diese scharfe Kritik vernlaßte Reichskanzler Bülow, auf der Sitzung am 8. Dezember persönlich zu erscheinen, um die Wogen zu glätten und Indeinnität zu erbitten. Sie wurde gewährt. Und da er schon dabei war, heikle Probleme zu behandeln, stellte er auch gleich den Antrag, der Regierung für die weiter entstehenden Kosten freie Hand bis zur Beendigung der Mission zu geben. Mit der Zustimmung hierzu erhielt die Regierung einen Freibrief, denn es lag nunmehr völlig bei ihr, über den Termin der Beendigung der Mission des Expeditionskorps zu befinden. Das konnte zum Zeitpunkt des Abschlusses des Vertrages mit China sein, brauchte es aber auch nicht, denn da es keine offizielle Kriegserklärung gegeben hatte, gab es auch keinen offiziellen Friedensschluß.

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Mit der Rückführung und Auflösung des Expeditionskorps Mitte 1901 fand ein markantes Ereignis imperialistischer Kolonialexpansion sein Ende. Es bot Anlaß, eine Reihe militärischer Fragen zu durchdenken sowie Erkenntnisse auszuwerten und Schlußfolgerungen zu ziehen. Eine grundlegende Frage vor allem für die Militärs im Kriegsministerium und im Generalstab war die nach dem Einsatz starker militärischer Kräfte in Übersee unter den gegebenen und künftig zu erwartenden internationalen Bedingungen überhaupt. Im Unterschied zur Admiralität hatten sie von Anfang an Vorbehalte gegen ein stärkeres militärisches Engagement in China. Sie vertraten die Auffassung, daß es ihnen unmittelbar nichts gebe, wohl aber die Aufmerksamkeit und die Mittel für ihre europäischen Pläne abschwäche. Dies war auch der Grund, weshalb es im Preußischen Kriegsministerium ernsthafte Einwände gegen die von Wilhelm II. im August 1900 angeordnete Verstärkung des Expeditionskorps gegeben hatte. Man dürfe, so lautete das Argument, die Armee durch Abgaben dieser Art nicht noch mehr schwächen. Dies würde insbesondere bei den technischen Truppen zu einer regelrechten Verwässerung führen. 30

Man war im Preußischen Kriegsministerium und im Großen Generalstab nicht gegen den Erwerb weiterer Kolonien, vertrat jedoch die Auffassung, daß eine generelle Neuaufteilung der Kolonien nicht in Afrika oder Asien, sondern in Europa entschieden werde. Hier lagen fast alle jene imperialistischen Mächte, die die Welt unter sich aufgeteilt hatten, und nur über bzw. gegen sie war eine Neuaufteilung zu erreichen. In Europa aber stand für Deutschland die Gefahr des Zweifrontenkrieges, und der verlangte den Einsatz aller Kräfte und Mittel. Ein solcher Krieg erforderte nach Ansicht des Großen Generalstabes ein nach

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