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Millionen zählendes Heer und damit die Konzentration der Mittel für die Rüstung auf das Heer und nicht auf die Flotte. In einem solchen Krieg war nach dieser Auffassung kein Armeekorps für einen außereuropäischen Einsatz entbehrlich. 31

Diese Überlegungen stimmten allerdings in wesentlichen Punkten nicht mit denen des Reichsmarineamtes überein. Dort vertrat man die Auffassung, daß ein künftiger Krieg um die Neuaufteilung der Welt in erster Linie gegen England und damit zur See geführt werden müsse. Kritisch stellte man deshalb fest, daß es bei der eben abgeschlossenen Intervention nicht nur nötig geworden war, "die heimische Schlachtflotte erheblich zu schwächen, sondern auch Kreuzer der übrigen ausländischen Stationen heranzuziehen." Daraus folgerte man: "Es ist somit unverkennbar, daß das Flottengesetz vom 14. Juni 1900 nicht allen Anforderungen genügt, daß dasselbe vielmehr eine erhebliche Lücke aufweist. Einmal muß die Aufrechterhaltung der Verbände der heimischen Schlachtflotte unter allen Umständen gewahrt bleiben, ... Andererseits darf die Besetzung einer ausländischen Station nicht auf Kosten der übrigen erfolgen." 32

Die führenden Militärs des imperialistischen Deutschland - sowohl die des Heeres wie die der Marine - waren sich also prinzipiell einig in der Unterstützung der kolonialen Expansionspolitik, deren treibende Kräfte aus den Reihen des Industrie- und Handelskapitals kamen. Beide verstanden, daß diese Politik immer weiter steigende Rüstungsanstrengungen erforderte. Deshalb waren beide bemüht, die dafür vorgesehenen Mittel im Sinne ihrer strategischen Vorstellungen vorrangig auf ihre Teilstreitkraft - das Heer bzw. die Marine - zu konzentrieren.

Schlußfolgerungen aus der Ostasien-Expedition wurden jedoch auch in Detailfragen, vor allem auf den Gebieten der Organisation und Ausrüstung, gezogen. Das geschah vor allem in Denkschriften Waldersees, des Preußischen Kriegsministeriums und der "Kommission zur Beratung der für etwaige künftige Expeditionen erforderlichen oder wünschenswerten Maßnahmen". Einige der Erfahrungen wunden auch in Presseorganen besprochen.

Die Denkschrift Waldersees33 wertet zunächst Erfahrungen bei der Ausschiffung der Truppen aus. Zu den hierzu auch in der Presse diskutierten Schlußfolgerungen gehörten insbesondere folgende: Die Wahl einer günstigen Landesteile, die möglichst vor Wind, Wellen und Feind geschützt sein und tiefes Wasser bis dicht an den Strand führen soll; die Forderung, höher als eine kurzfristige Ausrüstung der Truppen und Beladung der Schiffe die Vollständigkeit der Ausrüstung und die sorgfältig durchdachte Beladung der Schiffe zu bewerten; das enge Zusammenwirken von Heer und Marine von Anfang an sowie in jedem Falle eine einheitliche Leistung zu sichern.

Von besonderem Interesse für den Generalstab waren die Erfahrungen

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