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anderem Lehren für die Seuchenverhütung gezogen, die im ersten Weltkrieg von Nutzen waren.

Eine weitere Gruppe von Erfahrungen betraf die berittene Infanterie und die Kavallerie. DieAufstellung einer berittenen Infanterie zur überraschenden und umfassenden Annäherung an den Gegner und zur unmittelbaren Verfolgung hatte sich als zweckmäßig erwiesen.40 Da man in künftigen Kolonialkriegen mit überwiegend kleineren Kavalleriegefichten rechnete, gab man ihr den Vorzug vor der Kavallerie, die jedoch auch in diesen Kriegen zur Fernaufklärung, zu Zerstörungsaufgaben und für größere Gefechtstätigkeit beibehalten werden sollte. Für europäische Kriege hingegen bevorzugte man die Kavallerie und rechnete noch mit dem Einsatz großer Reitermassen. Dort glaubte man, auch die Lanze als Hauptwaffe der Kavallerie beibehalten zu können, obwohl sie sich in China nicht bewährt hatte und man für künftige Kolonialkriege den Karabiner als Hauptwaffe der Kavallerie anerkannte. 41

Aufbau, Verlegung und Einsatz des Ostasiatischen Expeditionskorps hatten eine Vielzahl von Erfahrungen gebracht. Reichskanzier Billow, der 1899 den Kampf des deutschen Imperialismus um einen "Platz an der Sonne" angekündigt hatte, erklärte 1901: "Wir haben gelernt, größere Truppentransporte übers Meer zu schicken, und wir haben den Stamm zu einer Kolonialtruppe erworben."42 Die spezifisch militärischen Erfahrungen fanden in vielfältiger Form ihren Niederschlag. Vor allem zu erwähnen ist hier die im September 1904 erschienene geheime Vorschrift "Anhaltspunkte für die Mobilmachung von Truppen für außereuropäische Unternehmungen".43 In ihrer Einleitung wird sichtbar, daß die militärische Intervention in China keinesfalls als Ausnahmeerscheinung im Rahmen der Politik der Kolonialexpansion und diese selbst nicht als beendet betrachtet wurde. Der Begriff "Anhaltspunkte" werde deshalb verwendet, weil man auch künftig mit außereuropäischen "kriegerischen Unternehmungen" rechne, für die infolge ihrer Mannigfaltigkeit keine Vorschriften ausgearbeitet werden können. In jedem Falle müsse man sich vor allem hach der "Eigenart des Kriegsschauplatzes und des zu bekämpfenden Gegners" richten. Eine staatsrechtliche Fixierung der Voraussetzungen zur Aufstellung künftiger Expeditionstruppen sowie ihres Status war wie beim "Ostasiatischen Expeditionskorps" nicht vorgesehen. Der Kaiser behielt sich vor, ehre Aufstellung nach eigenem Ermessen zu befehlen. Bei der Neubildung sollte wieder das Freiwilligenprinzip angewandt werden. Für die Gliederung und Stärke sowie die Verwendung der Waffengattungen und Dienste sollte das "Ostasiatische Expeditionskorps" als Anhalt dienen.44 Das Zusammenwirken von Expeditionstruppen und Marine, als Voraussetzung für überseeische Operationen, sollte durch einen gemeinsamen Oberbefehlshaber gewährleistet, dessen Stab mit Vertretern beider Teilstreitkräft besetzt werden, um die unterschiedlichen Belange berücksichtigen zu können.

Bekanntlich kam es in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zu keiner

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