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DER EINFLUß DER DEUTSCHEN MARINEVERWALTUNG AUF DAS PACHTGEBEIT KIAUTSCHOU UND DIE PROVINZ SCHANTUNG 1897 BIS 1914

Kapitän z.S. Friedrich Forstmeier (BRD)

Vorgeschüchte

Die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts zeigen seit 1895 eine neue Welle imperialistischer Expansion, von der besonders der Ferne Osten betroffen ist. Die jungen Nationalstaaten Europas, wie Deutschland und Italien, glauben in dieser weltpolitischen Konstellation quasi in letzter Stunde einen "Platz an der Sonne" neben den etablierten Mächten Rußland, England, Frankreich erobern zu müssen.

Die Besetzung Kiautschous ist der Kulminationspunkt deutscher Aktivität in China seit der Mitte des 19. Jh. Der Erwerb des Pachtgebiets entsprach einem langgehegten Wunsch vieler Deutscher, insbesondere wirtschaftlich aktiver Gruppen. Ein wichtiger Abschnitt der deutsch-chinesischen Beziehungen war die Entsendung eines preussischen Flottenverbandes im Jahre 1859/60 nach China zum Abschluß eines Handelsvertrages. Eine diplomatische Mission sollte bereits damals sondieren, ob die Erwerbung eines See-und Handelsstützpunktes nach dem Muster Hongkong möglich sei; gedacht war zunächst an Formosa. Die Chinesen lehnten ab, indessen kam ein Handelsvertrag 1861 zustande. In der Folge wuchs das chinesische Interesse an Deutschland; nach der Reichsgründung genoß Deutschland Achtung und Bewunderung. Die preußische Armee galt als Vorbild, und in den 90er Jahren zeigten sich chinesische Reformer sogar am deutschen Regierungssystem als Modell interessiert. Die damals mächtigste politische Persönlichkeit Chinas, Li hung Chang, wählte sogar einen deutschen Beamten, Gustav Detring, zu seinem außenpolitischen Berater. Der deutsche Chinahandel blühte auf, er erreichte die zweite Stelle nach England. Ein wichtiger Aspekt der Durchdringung Chinas waren die zahlreichen Missionen, auf deutscher Seite die Tätigkeit der katholischen Mission Steyl, an deren Spitze der extrem deutschnationale Bischof Anzer stand.

In Deutschland steigerten sich die Forderungen interessierter Handels- und Marinekreise, die Regierung müsse eine entschieden aktivere Chinapolitik treiben. Das Auswärtige Amt war aber zurückhaltend, es war bestrebt, Handlungen in China zu vermeiden, die mit wichtigeren Aufgaben der deutschen

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    Die Darstellung stützt sich sofern nicht ausdrücklich andere Fundstellen

angegeben sind, auf die grundlegende Untersuchung von John E. Schrecker: Imperialism and Chinese Nationalism. Germany and Shantung, Cambridge, 1971.

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