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Marineverwaltung durch Inspektionsreisen der Gouverneure und Kontakte mit den chinesischen Provinzbehörden sichern zu können - obwohl dies Bestreben vom Auswärtigen Amt abgelehnt wurde.

Schantung

In der Provinz stand selbstverständlich vom Beginn des Jahres 1898 an die Verwertung der zugestandenen Konzessionen im Vordergund. Als erstes wurde der Bau der Eisenbahnlinie Tsingtau nach der Hauptstadt Tsinan in Angriff genommen. in dieser Anfangsphase spielte der deutsche Wille, aus der Provinz wirtschaftlich und machtpolitisch eine Interessensphäre zu machen, eine dominierende Rolle. Von chinesischer Seite bestand daran kein Zweifel. Nun trafen diese deutschen Absichten zusammen mit der unter dem jungen Kaiser Kuang hsü ausgelösten großen nationalen Erneuerungsbewegung, die auf die Wiederherstellung voller chinesischer Souveränität sowie auf die Übernahme der Kontrolle über alle fremden Wirtschaftsunternehmen drängte. In Schantung sollten demnach chinesische Kaufleute an den Konzessionsunternehmen, der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft, SEC, und der Schantung-Bergbau- Gesellschaft, SBG, nach ihrer Vorstellung beteiligt werden - worauf sie übrigens laut Pachtvertrag einen Rechtstitel besaßen. In dieser Zeit machte sich eine zunehmende Militanz in der Provinz bemerkbar und nur der Zusammenbruch der Reformbewegung ließ die daraus resultierende Aggressivität wieder abklingen. Der Bau der Eisenbahnlinie wurde aber laufend durch Banden in der neutralen Zone gestört, und im Vorfeld der Boxer-Unruhen des Jahres 1900 wurde die katholische Steyl-Mission angegriffen. Bischof Anzer forderte ein militärisches Eingreifen der in Tsingtau stationierten Marinetruppen. Das Auswärtige Amt hatte von Anfang an darauf gedrungen, daß die Rechte des Gouverneurs von Tsingtau auf das Pachtgebiet beschränkt bleiben sollten und er sich nicht in Provinzangelegenheiten einzumischen habe. Da aber nur der Gouverneur über die militärischen Machtmittel verfügte, zugunsten der deutschen Interessen einzugreifen, spielte er praktisch eine erhebliche Rolle. So stimmte Kapitän Jaeschke der Forderung Anzers zu. Ein wichtiges Motiv war dabei, durch "kräftiges Auftreten das deutsche Ansehen in Schantung zu wahren". Gefördert in dieser Haltung wurde Jaeschke auch durch das Ersuchen amerikanischenMissionen um Schutz und durch Äußerungen, wie die des amerikanischen Korrespondenten des "North China Herold", die deutschen Behörden müßten drastisch handeln, wenn sie in ihrer Einflußzone ihr Ansehen behalten wollten. Bülow und Tirpitz stimmten nur zögernd einer militärischen Aktion zu, Tirptz empfahl eine "politische Lösung" anzustreben.

Die "Strafexpedition" Jaeschkes führte zum Zusammenstoß mit einer chinesischen Bande. Ein Teil der Truppem bleib bis zum Mai im Unruhegebiet, bis der Fortgang des Eisenbahnbaus gesichert und auch Anzer befriedigt war. Kaiser und Regierung in Peking protestierten wütend gegen das deutsche Vorgehen. Berlin beeilte sich zu versichern, daß es bei der Aktion nur um eine

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