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Polizeiaktion zum Schutz der Deutschen, nicht um territoriale Ziele gehandelt habe. Tirpitz zog aus den Vorgängen den Schluß, daß es künftig ausschliesslich auf friedliche Beziehungen zur chinesischen Bevölkerung ankomme. Alles andere verstärke die chinesische Militanz und verderbe die deutschen Aussichten für die Zukunft. Er entschied, Schantung sei keine Fortsetzung von Kiautschou, jede militärische Aktion mindere die Chancen ökonomisch gesunder Entwicklung. In diesem Sinne warnte er Jaeschke brieflich vor weiteren Strafaktionen. Bevor aber Tirpitz' Brief beim Gouverneur eintraf, hielt dieser es notwendig, erneut gegen eisenbahnfeindliche Umtriebe im Raum von Kaumi vorzugehen. Bezeichnend für den Militär Jaeschke ist seine Begründung, eine diplomatische Regelung der Angelegenheit sei zu langwierig. Eine vorläufige Befriedung trat ein mit der Ernennung eines neuen Provinzgouverneurs für Schantung: Yuan schih kai. Yuan war zwar ebenfalls Verfechter einer nationalen chinesischen Politik, wollte aber auf subtilere Weise vorgehen. Er war gegen militärische Angriffe auf die Deutschen, da China dafür (noch) nicht stark genug sei. Es sei richtiger, den Deutschen keine Vorwände zu militärischen Aktionen und zum Stationieren von Truppen zu liefern. Folgerichtig gingen Yuans Verbände, für deren Reorganisation und Modernsierung er viel getan hatte, energisch gegen aufsässische Bauern und Banden vor. Der populärste Rebellenführer Sun-Wen wurde verhaftet und später sogar hingerichtet.

Außenpolitische Befürchtungen der deutschen Regierung, eine geschickte chinesische Politik, die dies auszunutzen wußte, trugen zu den kommenden Rückschlägen bei. Die unsichere, oft entschlußschwache Führung der deutschen Politik war mitverursacht durch eine schwer definierbare Grundhaltung, die zwischen Streben nach Einfluß, Geltungsdrang, demonstrativer Härte und einer patriarchalisch-benevolenten Haltung schwankte, einer Art "aufgeklärtem Imperialismus".

Das Auswärtige Amt, nach wie vor allen Aktivitäten des Marine- gouverneurs in Schantung abhold, fürchtete vorr allem eine eventuelle Beeinträchtigung der deutschen wirtschaftlichen Interessen in dem von den Engländern dominierten Yangtse-Tal und war bemüht, jede Verstimmung der Engländer zu vermeiden. Das mit England geschlossene Yangtse-Abkommen liegt auf dieser Linie. Deutschfeindliche Kundgebungen in England und Japan im Jahre 1902 bewogen das Auswärtige Amt, die Schantung-Politik des Reiches neu zu definieren. Es verlautbarte, Deutschland verfolge in der Provinz kein andres Ziel als die Auswertung der zugestandnen Konzessionen. Gleichzeitig drängte das Auswärtige Amt die Marine energischer als zuvor von allen Aktivitäten in Schantung zurück. Es fand dabei die Unterstützung von Tirpitz, der die neue Lage schneller akzeptierte als seine Offiziere in Tsingtau. Sie erblickten im Rückzug aus Schantung eine Schwächung der Stellung des Gouverneurs von Tsingtau und einen Gesichtsverlust gegenüber den Chinesen. Kapitän z.S. v. Truppel führte noch im Jahre 1903 eine ausgedehnte Inspektionsreise durch die Provinz durch, über die er einen ausführlichen und

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