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teilweise recht farbigen Bericht verfaßte.

Eine weitere Schwächung der deutschen Position in Schantung brachte das Ergebnis des russisch-japanischen Krieges 1905. Die russische Niederlage befreite England von seinem Hauptrivalen in China. Das Reich fühlte stärker als zuvor seine Isolierung. Es wollte deutlicher als zuvor vor aller Welt kundtun, daß es nicht nach einer Einflußsphäre in Schantung strebe. Auch innenpolitisch fehlte schon nach 1901 jede Unterstützung für eine ausgreifende Chinapolitik. Zentrum, Fortschrittspartei und Sozialdemokraten bezogen entschieden gegen die deutsche "Weltpolitik" Stellung. Entscheidend in dieser Phase war, daß das politisch geschickte Vorgehen der Chinesen gegen die deutsche Position in Schantung die internationalen und innerdeutschen Pressionen ergänzten. Nachfolger deutschfreundlichen Chou Fu als Gouverneur wurde 1904 der bedeutende Yang schih hsiang, dem es gelingen sollte, den deutschen Einfluß vollends zu liquidieren. Er schuf ein chinesisches außenpolitisches Büro der Provinz Schantung, und er eröffnete an mehreren Orten international offene Märkte ohne Rückfrage bei den Deutschen. Die westlichen Staaten waren über die passive Haltung des Reichs überrascht, zollten ihr aber Beifall, dokumentierte sie doch den Mangel an politischem Herrschaftsinteresse der Deutschen. Hatte bereits Yuan erreicht, daß deutsche Truppen außerhalb der Neutralen Zone nicht mehr auftreten sollten, so gelang es Yang in einem Vertrag vom 28. November 1905, den Rückzug der deutschen Marinedetachements aus der Neutralen Zone - gegen den Willen des Gouverneurs von Tsingtau - durchzusetzen. Die deutsche militärische Präsenz blieb auf das eigentliche Pachtgebiet beschränkt. Aber auch dort wurde das militärische Element geschwächt und zum Beispiel - eine folgenreiche Maßnahme - am Ausbau der Befestigungen nichts mehr getan. Das unterstrich Tirpitz - Vorstellung, das Pachtgebiet eher als Handelsplatz denn als militärischen Stützpunkt zu betrachten.

Je mehr deutsche Macht und deutscher Einfluß in der Provinz Schantung schwanden, desto eifriger war der Gouverneur von Tsingtau darauf bedacht, über die Unabhängigkeit des Pachtgebiets zu wachen. Es gelang ihm auch, die politische und gesetzliche Autonomie der Kolonie voll aufrecht zu erhalten, mit der - allerdings wichtigen - Ausnahme der Zollautonomie. Tsingtau wurde voll in das chinesische Zollsystem integriert, der Freihafenstatus aufgegeben. Die Marineverwaltung erhielt ab 1905 einen festen Prozentsatz der Zolleinnahmen.

Mit dem Rückzug der letzten Marinetruppen aus der Neutralen Zone und der Ausschaltung aus der Verantwortung für die Provinz war die Rolle des Marinegouverneurs dort ausgespielt. Die Verhältnisse hatten sich aber in Schantung nach dem Verzicht auf größere deutsche Ambitionen so konsolidiert, daß eine friedliche Entwicklung in der Provinz, wie es bereits im Pachtgebiet der Fall war, bis 1914 voranschreiten konnte. Es ist daher an der Zeit, einen Blick auf die erzielten Ergebnisse zu werfen. Hinsichtlich der Provinz war es klar, daß

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