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eingeschrieban.

Der Vizepräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft, v. Rolleben, äußerte in einer Denkschrift an das Auswärtige Amt vom 26.8. 1910, Tsingtau sei ein Unikum des gesamten Kolonialwesens der Welt. Ursprünglich hätten deutsche "planlose Kolonialstürmer" ganze chinesische Provinzen annektieren wollen. Deutschland sei im Frieden von Shimonoseki leer ausgegangen, das habe den "Kolonialtrieb" wieder angefacht. Er fährt fort: "Als man Tsingtau in Händen hatte, zeigte sich, daß es etwas ganz anderes war als eine gewöhnliche Kolonie". Als Auswanderungsgebiet seien Tsingtau und die Provinz Schantung nicht in Frage gekommen, man habe Deutschlands Weltstellung und strategische Gesichtspunkte im Auge gehabt. Das habe sich im Laufe von 10 Jahren erheblich geändert. Niemand denke mehr daran, dem chinesichen Reich Stücke zu entreißen, der politische Egoismus der Nationen sei zugunsten kultureller Einwirkungen ... zurückgedrängt. Tsingtau sei heute der "archimedische Punkt unserer kulturellen Einwirkung auf China". Der Reisende betrete Tsingtau geblendet vom "Glanz der Bauten und der Zweckmässigkeit aller Einrichtungen". Das Reichsmarineamt habe ein großes Werk geschaffen. Angesichts des traditionellen chinesischen Fremdenhasses sei das Verhältnis zur chinesischen Bevölkerung sehr gut und die Abneigung der Chinesen erheblich abgeschwächt. Besondere Achtung besitze die deutsche Gerichtsbarkeit. 3

Schlußbetrachtung

Unter dem Aspekt des Leitthemas unserer Konferenz, des militärischen Einflusses auf die koloniale Entwicklung, erscheint Tsingtau tatsächlich in mehr als einer Hinsicht als Sonderfall. Für den amerikanischen Historiker Strecker bot sich die Kolonisation von Tsingtau als geeignetes Objekt einer "case study of imperialism in action". Gerade aber, wenn man an das so positiv beeindruckende Gesamtergebnis der deutschen Betätigung in Kiautschou denkt, muß man beim Gebrauch des Wortes Imperialismus differenzieren. Es bietet sich eine klare Entwicklung dar von dem Gewaltakt der militärischen Besetzung 1897 bis zu friedlicher Kooperation zwischen Deutschen und Chinesen im Jahre 1914, einer Zeit, wo jede imperialistische Bedrohung von deutscher Seite für Schantung geschwunden war und die Chinesen, nach v. Holleben, "allmählich die Besorgnis verloren (hatten), daß der Deutsche doch als Eindringling, nicht als Kulturträger ins Land gekuimien". 4

Zweifellos war es nicht das Bestreben der deutschen Marinetruppen, als sie 1897 landeten, deutsche Kultur nach Kiautschou zu bringen. Die Besitzergreifung war ein echt imperialisticher Akt; Deutschland wollte mit den bereits in Ostasien etablierten Nationen gleichziehen, ebenbürtig sein, mitreden können. Daß aus dem Unternehmen etwas anderes wurde, als in Schantung mit "gepanzerter Faust" eine Einflußsphäre zu schaffen, ist auf die vielfältigen Faktoren zurückzuführen, die in meinem Referat angeklungen sind. Interessant

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