X hits on this document

994 views

0 shares

0 downloads

0 comments

19 / 367

  • -

    ix -

EINLEITUNG

Wer sich an die Ausrichtung eines Symposiums wagt, hat Erfolge und Rückschläge zu gewärtigen; bei dem ersten internationalen Kolloquium, das in Kanada unter der Schirmherrschaft einer dem Internationalen Geschichtswissenschaftlichen Kongreß angeschlossenen Gruppe stattfand, waren dank der Freundlichkeit und Mithilfe der Historiker aus so vielen Ländern die Erfolge erfreulich und die Rückschläge unerheblich.

Die Wahl eines Themas stieß auf gewisse Schwierigkeiten, wollten wir doch zu Untersuchungen ermutigen, die einen Vergleich mit Nordamerika und insbesondere Kanada erfordern. Wir müssen gestehen, daß wir hierin auch eine Gelegenheit sahen, die Gelehrten aus anderen Teilen der Welt über Aspekte der nord-amerikanischen Geschichte zu unterrichten, die ihnen womöglich entgangen waren. Kanadas kiloniale Vergangenheit und die Tatsache, daß laut dem britischen Verfassungshistoriker A.F.McC. Madden "nur wenige Gebiete auf Erden sich zu keinem Zeitpunkt innerhalb eines Weltreichs befunden haben," ließ uns als Tjema "Armed Forces and Colonial Development" (Streitkräfte und koloniale Entwicklung) wählen. Madden weist darauf hin, daß wir Weltreichhistoriker "über eine Unmenge Material verfügen, um unser Schema herauszuarbeiten, unsere Modelle zu konstruieren, Ideen freizusetzen und Verallgemeinerungen zunichte zu machen. Während wir unsere Basis auf einem Spezialgebiet - Nord-amerika, Südasien, Australasien oder Afrika - oder in einem Jahrhundert oder Jahrzehnt verstärken, sollten wir gleichzeitig in neue Gebiete oder Zeitabschnitte vorstoßen, ... denn die ganze Existenzspanne des britischen Weltreichs von dem Virginia des John Smith bis zum Rhodesien des Ian Smith ist ja ganz eigentlich unsere Sache." 1

Daß ausgerechnet zwei Herren namens Smith für das A und 0 des Weltreichs stehen sollen, ist ein Gedanke, der nicht einer gewissen Ironie entbehrt; er hätte den "Imperial Federationists" zu Zeiten der Pax Britannica sicherlich gefallen und wäre von manchen unter ihnen zweifellos als elegante Hyperbel begrüßt worden. Prof. Madden, der selbst die Auffassung vertritt, daß die historischen Parallelen weit über Großritanniens Expansion im 17., 18. und 19. Jahrhundert hinausreichen, legt hier die weitgehend subjektive nationale Voreingenommenheit an den Tag, aus der heraus die Historiker unweigerlich ihre allgemeinen Ansichten vom menschlichen Erleben zu entwickeln pflegen. In Anerkennung dieses Elements der Historikergelehrsamkeit haben wir uns keinerlei Anregung hinsichtlich der Richtung angemaßt, die bei der Forschung einzuschlagen wäre, nicht einmal gegenüber solchen nationalen Komitees, bei

1.

A.F.McC. Madden, "1066, 1776 and All That: the Relevance of English

Medieval Experience of 'Empire' to Later Imperial Constitutional Issues" in John E. Flint and Glyndwr Williams (eds.) Perspectives of Empire: Essays Presented

to Gerald S. Graham, (London: Longman, 1973), 9-26.

Document info
Document views994
Page views994
Page last viewedTue Dec 06 16:42:09 UTC 2016
Pages367
Paragraphs3833
Words145620

Comments