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KOLONISATION ALS MILITÄRISCHE UNTERNEHMUNG. - VAUBANS PROJECT ZUR ERSCI-ILIEßUNG UND BESIEDLUNG KANADAS

Von

Werner Gembruch Militärgeschichtliches Forschungsamt, Freiburg-im-Breisgau

Vauban, maréchal de France, nach General Weygand der "Konstrukteur der Ringmauer des französischen Hauses", die "endgültig Frankreichs Einheit" begründete und für Jahrzehnte seine Sicherheit garantierte, zählt als Frestungsbaumeister, Truppenführer und Militärschriftsteller zu den "Klassikern der Kriegskunst".1 Nicht minder groß ist sein Ruhm als "Klassiker der Nationalökonomie", dank seiner "Dime Royale", in der er im Interesse einer Steigerung der Produktivität der Volkswirtschaft, der Leistungsfähigkeit des Staates sowie aus sozialpolitischen Gründen eine Systematisierung der Steuerordnung und Steuergerechtigkeit gefordert hat, zumal die Aufhebung aller Steuerexemtionen.

Doch vermitteln Vaubans Entwürfe für den Festungsbau sowie seine Schriften über Festungskrieg und Besteuerung keineswegs eine Vorstellung von allen seinen Fähigkeiten und Interessen. In seinen Denkschriften behandelte er ferner: Organisation und Bewaffnung der Armee, Militärersatzwesen, Auswahl und Beförderung von Offizieren, Flottenbau und Seekriegführung, Verwaltungsreform, Statistik, Handel, Zölle und Manufakturen sowie das Verkehrswesen.2 Zu nahezu allen damals kontrovers diskutierten Fragen der Verteidigungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Innenpolitik hat er sich mit Passion und Sachverstand geäußert, bestimmt dazu von dem Verantwortungsbewußtsein für das "bonum commune", was Voltaire zu der Feststellung veranlaßte, Vauban habe gezeigt, "qu'il pouvait y avoir des citoyens dans un gouvernement absolu", sowie von der ihm bei der Erfüllung seiner beruflichen Pflichten erwachsenen Einsicht, daß das Verständnis militärischer Fragen ohne die Kenntnis politischer und sozioökonomisher Gegebenheiten unmöglich ist. 3

Da Vauban bei seinen Plänen für den Festungsbau von einer Analyse der machtpolitischen Realitäten und der Interessen der europäischen Mächte ausgehen mußte, hat er sich intensiv mit außenpolitischen Fragen befaßt und in diesem Rahmen auch mit Kolonialpolitik, so in der 1699 verfaßten, zur Vorlage beim König gedachten Denkschrift "Moyen de r'etablir nos colonies de l'Améri- que et de les accroître en peu de temps" sowie einem Schreiben an den Gouverneur von Kanada vom Mai 1700. 4

Kolonialpolitik war für Vauban also ein Teilbereich der Außenpolitik. Er teilte nicht die damals vorherrschende Auffassung, daß der Kampf um Seeherrschaft und Kolonien ein "beyond the live" sich abspielendes Geschehen

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