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maris" die Stellung eines Schiedsrichters über Europa, "mit Neptuns Dreizack das Szepter der Welt".

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Um Kanada zur Erfüllung der ihm als Gliedstaat eines atlantischen Imperiums zugedachten Funktionen zu befähigen, forderte Vauban eine Forcierung der Einwanderung sowie die Aktivierung aller ökonomischen Kräfte, im gewerblichen Sektor nicht weniger als in der Landwirtschaft, vor allem auch die Installation von Produktionsstätten zur Verarbeitung von Rohstoffen, so "des forges et fonderies avec des manufactures de fer et d'acier",12 und zwar zur Befriedigung des Eigenbedarfs an gewerblichen Gütern und zur Steigerung des Exports. Alle Beschränkungen von Produktion und Handel wollte er für die Kolonien aufheben, "les laisser en liberté de commercer ... sans contraindre leur industrie ni la gêner".13 Kanada mußte wirtschaftlich autark und, womit seit La Hogue jederzeit zu rechnen war, selbst bei Unterbindung aller Zufuhren uneingeschränkt verteidigungsfähig sein. Andernfalls, meinte er, werde man alle Stützpunkte in Amerika an die Engländer verlieren.14 Er sah Frankreich also vor der Alternative, seine Handelsstützpunkte zu ausgedehnten, dicht bevölkerten, verteidigungsfähigen Siedlungskolonien zu erweitern oder auf Kolonien und Kolonialhandel in Amerika zu verzichten.

Den Ausbau Kanadas wollte er keinesfalls privilegierten Handelsgesellschaften überlassen. Dieses von Richelieu 1627 mit der Charte der "Compagnie des Cent Associés" perfektionierte und seitdem beibehaltene Verfahren kolonialer Expansion lehnte er ab und damit das nach Pauliat für die Kolonialpolitik des Ancien Régime zentrale Prinzip, alle Kosten für kolonisatorische Unternehmungen aufzubürden "à la bourse des particuliers".15 Vauban forderte die Liquidation dieser Gesellschaften und die Jbernahme der alten sowie die Begründung neuer Kolonien durch den Staat, als ein von seinen Organen bis ins Detail zu planendes und zu reglementierendes Unternehmen. Er wollte "colonies faites par déliberation de conseil" bzw. "colonies de raison", nicht "colônies de hazard". Sein Argument für eine ausschließliche Kompetenez des Staates in der Kolonialpolitik: "l'intérêt des colonies sera toujours le même que celui de public, représenté le Roi, à quoi celui des particuliers, représenté par les compagnies, est toujours contraire", eine der Theorie des königlichen Absolutismus im Sinne von Bossuets "Politique" gemäße formelhafte Wendung. 16

Hinderlich für eine planmäßige Entwicklung Kanadas schienen Vauban ferner Stellung und Rechte mancher kirchlichen Institutionen zu sein. Nach Goyau hatte sich die Kirche, zumal Jesuiten und Sulpizianer, gerade in Kanada mit Berufung auf ihren Missionsauftrag und dem Erwerb eines Drittels aller Landkonzessionen großen Einfluß im öffentlichen Leben und zahlreiche Sonderrechte sichern können.17 Vauban forderte, alle Orden aufzulösen, ihr

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