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Vermögen einzuziehen, Mönche und Nonnen als unnütze Kostgänger auszuweisen und nur so viele Weltgeistliche im Land zu belassen, wie für die Seelsorge erforderlich schienen. Ferner wollte er, um die Kirche fest an den Staat zu binden und zu einem manipulierbaren Instrument sozialer Disziplinierung zu machen, mit dem Verbot der Erhebung einer "Dtme ecclésiastique" und jeglichen Landerwerbs, ihre ökonomische Basis zerstören. Vaubans Ideal war eine Staatskirche ohne Vermögen und ohne unmittelbaren Einfliß auf das öffentliche Leben, eine Ordnung des Verhältnisses von Kirche und Staat nach den Grundsätzen eines entschiedenen Gallikanismus. Die Geistlichkeit sollte aus der Staatskasse besoldet und entsprechend ihrer "voca- tion" ausschließlich mit sozialen und seelsorgerischen Aufgaben betraut werden. 18

Auch dem Adel verweigerte Vauban Stellung und Privilegien eines besonderen Standes. Das "système seigneurial" wollte er durch eine militärstaatliche Ordnung ersetzen, da ihm für einen Erfolg der Besiedlung und die Wahrung sozialer Stabilität das Prinzip von Befehl und Gehorsam leistungsfähiger zu sein schien als lehnsrechtliche Bindungen, eine keineswegs unbergrUndete Annahme, da, wie Diamond nachgewiesen hat, die Wirkungsmöglichkeiten dieses "système" in Kanada infolge unterschiedlicher ökonomischer Gegebenheiten, besonders des Mangels an Arbeitskräften, wesentlich geringer waren als in Frankreich.19 In den Kolonien sollte es nach Vauban nur Untertanen und Bedienstete des Königs geben. Die Geburtsstände wollte er durch Berufsstände ersetzen, alle ererbten Ansprüche negligieren.

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Bereitstellung, Transfer und Ansiedlung von Immigranten sollten wie ein militärisches Unternehmen ablaufen, vorbereitet und geleitet vom Marinedepartment und in Kanada von Offizieren der Armee. Nichts durfte dabei individueller Initiative und Improvisation überlassen bleiben. Die Siedler sollten nicht wie bisher zur Abgeltung der Transferkosten für drei Jahre zum Arbeitsdienst verpflichtet "engagés" sein, sondern Soldaten, begleitet im Interesse sozialer Stabilität und des Bevölkerungswachstums von ihren auf "demi-paye" zu setzenden Frauen.20 Zumindest fünf Bataillons wollte Vauban nach Kanada schicken, abzulösen nach fünf Jahren, wobei er davon ausging, daß die Hälfte der Soldaten in Kanada bleiben werde, mit Frauen und Kindern etwa 5000 Personen, ein Immigrationszuwachs, der alle bisherigen diesbezüglichen Erfolge und Pläne weit übertroffen hätte. Die von Richelieu 1627 der "Compagnie de la Nouvelle-France" auferlegte Verpflichtung zur Ansiedlung von jährlich 200 Menschen war bisher das ehrgeizigste, freilich nicht anäherend realisierte kolonisatorische Programm für Kanada gewesen. Zur Einwanderung einer größeren Gruppe, einem Vaubans Vorhaben vergleichbaren Unternehmen, war es nur einmal gekommen, nämlich 1665 mit der Ansiedlung von 1500 Soldaten.21 Der weitere Bevölkerungsanstieg, trotz intensiver Bemühungen

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