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Warum kann das kolonialpolitische Programm Vaubans "militärisch" genannt werden? 1. Vorstufe der nach Ryswijk von Vauban entwickelten außen- und kolonialpolitischen Konzeption war eine mil - tärische Lagebeurteilung aus der Zeit des Pfälzischen Krieges. 2. Besiedlung und Erschließung von Kolonien sollten wie ein militärisches Unternehmen ablaufen, geplant von einer Stabsabteilung, vorbereitet von einem Vorkommando und ausgeführt von militärischen Einheiten, deren Offiziere für die termingemäße Erfüllung aller Planziele verantwortlich waren. 3. Im Interesse der Verteidigungsbereitschaft und der Beschleunigung der ökonomischen Entwicklung entwarf er für Kanada eine Verfassungsordnung mit militärstaatlichen Zügen. - Deschamps rühmte Vaubans Projekt als vorbildliches Modell einer "colonisation militaire",30das in Frankreich zunächst kaum Resonanz gefunden habe, weil es bei der permanenten Misere der Staatsfinanzen unmöglich schien, der Staatskasse Kosten und Risiko kolonialer Unternehmungen aufzubürden. Man blieb dabei, damit diejenigen zu belasten, die vor allem vom Kolonialhandel profitierten, nämlich die in Handelskompanien vereinten, an einer hohen Kapitalverzinsung interessierten Kaufleute und Reeder der Atlantik- und Mittelmeerhäfen, ein Indiz däfur, daß man in kolonialer Expansion mehr eine "effort économique" als, wie Vauban, eine staatspolitische Aufgabe gesehen hat.

Erst 1763 kam es mit dem freilich gescheiterten Versuch Choiseuls zur Begründung einer "colonie de peuplement" in Guyana zu einer "colonisation militaire", ein Unternehmen, das Überhastet geplant und durchgeführt wurde, weil die Regierung schnell einen spektakulären Erfolg vorweisen wollte, um ihre durch die Demütigung des Friedens von Paris angeschlagene Reputation wiederherzustellen. Mit mehr Erfolg praktizierte man dieses Verfahren im 19. Jahrhundert in Nordafrika und Indochina. Doch bleibt seine Zweckmäßigkeit umstritten. Manche zweifeln sogar an der Kompatibilität von "esprit militaire" und "esprit colonisatrice". Sie sehen hier Spannungen, die zumindest einen optimalen kolonisatorischen Erfolg ausschließen.

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