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nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 sogar als Gefahr für das Land empfunden und endgültig ausgewiesen, und in Kamerun fanden im Sommer 1940 Demonstrationen gegen die Rückkehr der ersten Kolonialherren statt 7 mag Pudin auch ein Jahrzehnt zuvor festgestellt haben: "Wherever I went, I heard natives praise the ejcellent German administration...". Der deutschen Phase ihrer Kolonialvergangenheit verdanken die betreffenden Staaten jedenfalls nicht viel, nicht einmal ihre Grenzen.

Der russische und der portugiesische Kolonialismus spielen als das Bemühen rückständiger Nationen, ihre politische und wirtschaftliche Lage durch die Ausbeutung noch labilerer und hilfloserer Länder zu verbessern, eine Sonderrolle. Der westeuropäische Kolonialismus, der Afrika von der Berliner Kongoakte (26. Februar 1885) bis zur Panafrikanischen Deklaration von Accra (13. Dezember 1958) wenig angefochten regierte, erscheint dagegen in Ursachen und Folgen recht homogen.8 Der deutsche Kolonialismus fällt in seiner historischen Phase aus dieser Gruppe nicht heraus. Als Maßstab wären deshalb realistische Alternativen anzulegen - d.h. hypothetische, aber insoweit mögliche Entwicklungen, als sie ohne Kolonialismus zur fraglichen Zeit aus der Geschichte Schwarzafrikas hätten erwachsen können. Die Expansion Ägyptens, das auf der Suche nach Gold und Sklaven das obere Nilbecken besetzt und Vorposten bis Uganda und Somalia vorgeschoben hatte, brach mit der Katastrophe General Gordons in Khartum 1885 zusammen. Sansibars Kräfte und Interessen reichten nur zu einem dünnen Hoheitsschleier über vereinzelte, küstennahe Regionen Ostafrikas. Das Ful-Sultanat von Sokoto, Beherrscher der Niger-Benue-Länder, stagnierte aufgrund des funktionierenden Systems von checks and balances seiner feudalistischen Struktur. Reichsbildungen, die Alternativen zu den europäischen Kolonien hätten darstellen können, wurden im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts durch charismatische Führerpersönlichkeiten vollzogen: im Sudan durch den Mahdi (1881-85) und den Kalifa (1885-98), in Zentralafrika durch Rabeh (1879-19oo), im westlichen Sahel durch Samori Ture (1872-98). Von Dauer blieb jedoch nur das Werk eines vierten, Meneliks von Schoa, der die äthiopische Kaiserkrone usurpieren (1889-1913) und die Grenzen vom amharischen Kernland weit in die Galla- und Somaligebiete hinein ausdehnen konnte. Sieger von Adua über die Italiener (1896), war Menelik II. der einzige, der sein Reich bei dem Zusammenstoß mit den Europäern behauptete. Der Fall Äthiopien zeigt nun sehr deutlich, wie fragwürdig es ist, eine Kausalität von europäischer Fremdherrschaft zur Unterentwicklung zu postulieren: das potentiell produktive Land ist heute ein Schlußlicht der Vierten Welt. Der Negus Negesti hat nämlich die Korrelation von moderner Technologie und neuen Sozialeliten erkannt.

Der Typus des "äthiopischen Reformherrschers", wie ihn Christian Potyka beschrieben hat,9 sah seine vordringlichste Aufgabe notwendigerweise darin, bestimmte Dominanzen zu zementieren: die nationale der Amharen, die soziale der Aristokratie, die kulturelle der Kirche, die funktionale des Militärs. Ein Haile

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