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Unter diesen Umständen kam der bewaffneten Macht in den Schutzgebieten eine Bedeutung im positiven wie im negativen Sinn zu, die man ihr zunächst nicht im geringsten zugemessen hatte. Otto von Bismarck war zwar 1862 an die Spitze der Regierung berufen worden und getreten, um den Staat auf die Bedürfnisse der preußischen Armee hin auszurichten. Die Kriege aber, mit denen er 1864-71 Preußen-Deutschland die latente Hegemonie über Europa erkäirpfte, hatten ihm nachdrücklich gezeigt, daß die Kriegsmaschine, sobald sie in Gang gesetzt war, innerhalb der obersten Führung die politischen Erwägungen über Sinn und Zweck ihrer Operationen hinter das militärische Ziel, die gegnerischen Streitkräfte zu vernichten, zurückdrängte. Überdies war er Zeitgenosse selbstherrlicher "Prokonsuln" vom Schlag eines Faidherbe, des expansionistischen Gouverneurs des Senegal 1854-65 (der nicht nur 1859 den Toucouleur-Reichsgründer El Hadj Omar, sondern auch 187o den preußischen Generalfeldmarschall von Manteuffel schlug), eines Gordon, der 1874-79 frei im ägyptischen Sudan herrschte, eines Kaufman, der 1867-82 Turkestan eroberte und gestaltete, eines Savorgnan de Brazza, der seit 188o ein äquatorialafrikanisches Imperium errichtete. Er hatte beobachtet, wie aktive Militärgouverneure von Kolonialgebieten im Zusammenspiel mit heimatlichen pressure groups ihre Regierungen zur Sanktionierung von faits accomplis zu swingen vermochten, die eigentlich nicht den Intentionen der Metropole entsprachen. Der Reichskanzler bemühte sich deshalb, die Länder, die er 1884- 85 zu "Schutzgebieten" erklärte, von organisiertem Militär freizuhalten. Gleichwohl betätigten sich deutsche Offiziere dort eher als deutsche Interessenten.

Bereits in den 187oer Jahren traten Kaiserliche Marineoffiziere in Übersee mit "prokonsularischen" Allüren auf.23 Ohne Instruktion durch den Reichskanzler, wahrscheinlich aber mit Inspiration durch den Chef der Admiralität, Bismarcks innenpolitischen Gegenspieler General von Stosch, erwarben Kriegsschiffkommandanten in der Südsee mehrere Marinestützpunkte als Grundlage künftiger deutscher Kolonialherrschaft: 1876 Kapitän zur See Knorr auf Tonga, 1877 Korvettenkapitän Hassenpflug auf Samoa, 1878 Korvettenkapitän von Werner in Mikronesien und Melanesien.

Aber auch Armeeoffiziere gaben Bismarck Anlaß zu der Sorge, das Reich werde durch "faktisches Vorgehen... [der bewaffneten Macht] ... schließlich doch in eine Gründung hineingeraten, die einer kaiserlich deutschen Kolonie gleichsteht". Es handelte sich dabei um eine lockere, mehrfach abgestufte Gruppe, eine aus gemeinsamen Ausbildungs- und Dienstzeiten erwachsene "Seilschaft" zur gegenseitigen Beförderungshilfe in kolonialpolitische Dienststellen. Drei Offiziere dieser Gruppe schafften den Sprung zum Dienst als Instruktionsoffiziere in exotischen Armeen: Major Colmar von der Goltz 1883 in die Türkei, Major Jakob Meckel 1884 nach Japan, Hauptmann Emil Körner 1885 nach Chile. Ein Großteil ihrer Durchsetzungsfähigkeit verdankte diese

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