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Gruppe dem Leutnant Curt von François, dessen Familie wegen des legendären Todes ihres Oberhaupts, des Generalmajors Bruno von François bei Spicheren 187o, zu den geachtetsten der Monarchie zählte. Ins Gewicht fiel die Beziehung der Familie des Leutnants Hermann Wissmann mit dem preußischen Kriegsminister, General von Kameke. Tragender Pfeiler dieser Gruppe, um dei sich die anderen allmählich herumkristallisierten, war der ehrgeizige Hauptmann Eduard Liebert, der, ein fähiger Generalstäbler und politisch versierter Offizier, Konnexionen zu allen im deutschen Kaiserreich maßgeblichen Potenzen gewinnen konnte.24 Wichtigste Protektoren Lieberts und seiner Gruppe in der Militärhierarchie waren der Chef des Generalstabs General Graf von Waldersee (der selbst 19oo ein Kolonialkommando erhielt:. "Weltmarschall" der internationalen Armee zur Niederwerfung des "Boxeraufstands" in China), der berühmte Feldherr Prinz Friedrich Karl von Preußen und der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm (1888 Kaiser Friedrich III.), der schon seit 187o/ 71 als lebhafter Befürworter und Förderer kolonialer Unternehmungen hervortrat. Von großer Bedeutung war Lieberts Verbindung mit Rudolf von Bennigsen, dem Führer der Nationalliberalen Partei. Umgekehrt wurde Liebert führendes und Gründungsmitglied der "Deutschen Kolonialgesellschaft" und später des "Alldeutschen Verbands", dessen kolonialpolitischer Sprecher er war (1929 trat er in die NSDAP ein).25 Weiterhin mit Sicherheit der Gruppe Liebert zurechnen lassen sich Major Theodor Leutwein, der in Südwestafrika, Leutnant Kurt Morgen, der in Kamerun und im Orient, und Leutnant Hans Dominik, der in Kamerun diente.26 Gewisse Bedeutung kommt dem Leutnant Ernst Albrecht von Eberstein zu, der zwar in Ostafrika keine große Rolle spielte, aber 19o6 die außerordentlich bedeutungsvolle Ernennung des Bankiers Bernhard Dernburg zum künftigen Staatssekretär des Reichskolonialamts in die Wege leitete. 27

Als Ansatzpunkt für die Verwirklichung ihrer kolonialen Ambitionen diente der Gruppe Liebert die "Afrikanische Gesellschaft in Deutschland", eine geographische Forschungsgesellschaft, deren Unternehmungen vom Auswärtigen Amt finanziell unterstützt wurden. In ihrem Namen führten Wissmann und François Forschungsecpeditionen in Zentralafrika durch. Die Gesellschaft war die deutsche Sektion der "Association Internationale Africaine", die König Leopold II. 1876 als immer durchsichtiger werdenden Deckmantel für seine KongoPläne gegründet hatte. Bismarcks Sorgen ergaben sich daraus, daß Brazzas Expedition von 1880-82 ebenfalls in diesem Rahmen stattfand und überraschenderweise mit der Vorlage eingeborener Annexionage- suche zur Ratifikation durch die französischen Kammern endete. Nach Brazzas Vorbild entschloß sich die deutsche Sektion 1883 tatsächlich, sowohl Leopold als auch Bismarck aus dem Zügel zu laufen, und das Reich durch Stationsgründungen und Vertragsabschlüsse kraft eigener Vollmacht kolonialpolitisch in Zugzwang zu bringen. Als Wissmann 1885 den Auftrag erhielt, die Souveränität des neugebildeten Kongo-Freistaats auf das von ihm erforschte Kasai-Gebiet auszudehnen - parallel zu Stanleys Tätigkeit unter dem Äquator -, bot er dem Kronprinzen an, dies stattdessen für das Deutsche Reich

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