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deren Kollaboration die Entwicklung des Landes abhing. In den eigenen Reihen war Leutwein jedoch schärfster Opposition ausgesetzt, die seinem eigenen System entsprang: da er Deutsch-Südwestafrika als Siedlungskolonie konzipiert hatte, enthielt die Bevölkerung einen hohen Prozentsatz von poor whites, einer Gruppe von struktureller Affinität zu rassischer Diskriminierung. Die verheerende Rinderpest von 1897, die die Herero zwei Drittel ihres Viehbestands kostete und sie zu umfangreichen Landverkäufen und Lohnarbeit bei den Deutschen zwang, ließ Weiß und Schwarz zusammenprallen. Unter den Eingeborenen griff Rechts- und Besitzunsicherheit um sich. Als Leutwein ein Herero-Reservat errichtete, um sie vor der unmittelbaren Wucht des Kulturschocks und der politischen Umwälzung zu schützen, mißverstanden sie es als Enteignung. Um im Zusammenbruch des kulturellen und sozialen Gefüges nicht weggeschwemmt zu werden, beugten sich die Häuptlinge dem irrationalen Selbstbehauptungswillen ihres gedemütigten Volkes. Anfang 19o4 erhoben sich die Herero gegen die deutsche Herrschaft, im Oktober schlossen sich die Nama an. Leutwein gelang es in einem Feldzug von Halbjahresdauer, die operative Handlungsfreiheit zurückzugewinnen, die Herero konzentrisch auf einen Punkt, den Waterberg, zu drücken und ihre Unterwerfung vorzubereiten; in diesem Stadium wurde er abberufen. Der Krieg verlor seine Funktion; nach den Weisungen des Großen Generalstabs in Berlin entwickelte er sich zum Selbstzweck mit Vernichtungsabsicht, der selbst die Interessen der Siedler nachgeordnet wurden. 49

Dem Wortlaut der 1891-96 erlassenen Schutztruppengesetze nach diente das deutsche Kolonialmilitär, eher polizeimäßig, "zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in den afrikanischen Schutzgebieten, insbesondere zur Bekämpfung des Sklavenhandels". Die Aufgabe der Landesverteidigung ergab sich nur stillschweigen aus dem Kombattantenstatus der Schutztruppenangehörigen. Überlegungen dazu-wurden erst nach Abschluß der Aufstandskämpfe (1904-07)50 angestellt, als das deutsche Kapital unter dem Einfluß der Bankiers Bernhard Dernburg und Walther Rathenau endlich Gelder in den Schutzgebieten anlegte. Im Einvernehmen mit den regionalen Gouverneuren und Kommandeuren formulierte das zentrale Kommando der Schutztruppen, die militärische Abteilung des seit 1911 von Solf geleiteten Reichskolonialamts, eine strategische Fundamentalweisung: die Kolonien sollten Oberseekriege möglichst mit Wahrung der deutschen Hoheit, vordringlich aber ohne größere Beschädigungen durchstehen.51 Da man in auswärtigen Kriegen ein auslösendes Moment für Eingeborenenaufstände sah - die dann aber nicht im e r w a r t e t e n U m f a n g a u s g e b r o c h e n s i n d - , v e r n a c h l ä s s i g t e m a n i n d e r H o f f n u n g auf das gentleman's agreement, das die Kongoakte von 1885 empfahl, die Landesverteidigung zugunsten des Landfriedens. Selbst Oberst Kurt von Schleinitz der renitente Militärbefehlshaber in Deutsch-Ostafrika 19o5-13 ,52 trug

die operative Konzeption mit, die Schutztruppe habe sich hinhaltend kämpfend im Landesinneren einzuigeln und, nur durch gelegentliche Offensivstöß abgelenkt, ihr Hauptaugenmerk auf die Eingeborenen zu richten. Major Carl

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