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schaftliche Interaktion und persönliche Biografie beeinflussen. Die Newsweek schrieb dazu 1995: „Die Psyche ist kein starres Gebilde, sondern ein dynamisches soziales Konstrukt — eine Geschichte, die unaufhörlich umgeschrieben wird.”5

Jungfrauen, Müttern und alten Weibern, ewigen Jünglingen und alten Männern. In jeder Situation greifen wir auf eine ent- sprechende Persona aus diesem Sammelbecken zurück. Theore- tiker der Objektbeziehung bezeichnen diese multiplen Personen des Selbst als innere Agenten, die durch gegenseitige Diskussionen und Interaktion die verschiedenen Facetten des Ich ausmachen.

3.1.2 Identitätstheorien Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ging man von einer unitären Identität aus. Familie und Stand bestimmten schon früh die vor- geschriebene Rolle im Leben und nur selten konnte man dieser entkommen. Die Identität galt als innengeleitet und festge- schmiedet. Doch gerade heute, zur Zeit multipler Persönlich- keiten im Internet aufgrund zahlreicher Chats, Foren und Spielen, gehen die Meinungen zu einer multiplen Identitätsbildung über. So beschreibt der Sozialphilosoph G.H. Mead 1934 ein Modell, das das Selbst in zwei Teile spaltet: das kreative und spon- tane I und das normgerechte, soziale me. Zwischen diesen beiden findet ein „symbolischer Interaktionismus” statt. Für Erik Erikson bedeutet die Identität einer Person ebenfalls, sich einerseits einer sozialen Gemeinschaft zugehörig zu fühlen und sich zugleich als ein einmaliges Individuum zu begreifen. Jürgen Habermas entwickelte 1974 ein Stufenmodell, laut dem ein Erwachsener die Fähigkeit besitzt „neue Identitäten aufzubauen und zugleich mit den Über- wundenen zu integrieren, um sich und seine Interaktion in einer unverwechselbaren Lebensgeschichte zu organisieren”.6 Auch C.G.Jung beschreibt in seinem Modell des Seelenlebens das kollektive Unterbewusstsein als Sammelbecken verschiedenster Personae oder Archetypen, wie z.B. unschuldigen

Spiegelstadium 3.1.3 In der Theorie des Spiegelstadiums beruft sich Jacques Lacan auf den Mythos des Narziss aus der griechischen Mythologie. Als Nar- ziss sich selbst im Wasser sieht, will er eins werden mit diesem perfekten Anderen und stirbt letztendlich beim hoffnungslosen Versuch der Einswerdung. Diesen Moment des iste ego sum, des sich selbst erkennen, greift Lacan hier auf.

Von der Freudschen Theorie ausgehend, dass Neu- geborene als Lebewesen ohne Bewusstsein auf die Welt kommen, beschreibt Lacan die Konfrontation neunmonatiger Kinder mit ihrem Spiegelbild. Diese Begegnung rufe bei allen Kindern ein freu- diges Jubeln, ein affairement jubilatoire, hervor, da das Kind den eigenen Körper zum ersten Mal als solchen wahrnimmt, obwohl es sich bewusst noch gar nicht mit diesem identifiziert. Es erkennt im Spiegel eine fiktive Person, der es gleichzukommen versucht. Da sich der Betrachter der Mängel und Verletzlichkeit seines realen Körpers bewusst ist, strebt er nach dem imaginären Ater Ego, das unnahbar und immer perfekt ist. Das Spiegelbild, welches Lacan als Ideal-Ich, das Imaginäre oder moi bezeichnet, gibt dem Beobach- ter also überhaupt erst die Grundlage zur Bildung eines eigenen Ich, dem je oder Realen. Die Kopie materialisiert sich vor dem

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Grundlagenwissen – Ego und Alter Ego

Grundlagenwissen – Ego und Alter Ego

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