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Grundlagenwissen – Ego und Alter Ego

Original. Gleichzeitig verweist die Theorie darauf, dass die Iden- titätsbildung kein natürlicher, in jedem Individuum stattfindender Vorgang ist, sondern vollkommen von der Beziehung zu anderen Menschen und Vorbildern abhängig ist. Die Erkennung des Spiegel- bildes ist eine Metapher für die Identifizierung eines Subjektes mit einem Imago, einer gedachten Ganzheitspersona, die verinnerlicht werden kann. Lakan selbst betont, dass dieser grundlegende Mo- ment der Selbstkonstitution an sich nicht an ein bestimmtes Alter gebunden ist, sondern eine ständig auftretende Art der men- schlichen Selbsterkenntnis ist.

3.1.4 Identifikation Der Prozess der Identifikation oder Identifizierung, die Begriffe werden in der Literatur synonym verwendet, beschreibt einen psychologischen Vorgang, bei dem ein Subjekt einen Aspekt, eine Eigenschaft oder ein Attribut eines Anderen assimiliert, um sich vollständig oder teilweise dem Vorbild zu nähern. Es muss jedoch unterschieden werden zwischen der transitiven Identifizierung (identifizieren), bei der zwei Gegenstände als identisch angesehen werden, und der reflexiven Identifizierung (sich identifizieren), die die in der Psychoanalyse verwendete Definition ist. Überdies diffe- renziert man zwischen der heteropathischen Identifizierung, benannt durch Scheler, in dem das Subjekt seine eigene Person mit einer Anderen identifiziert, und der idiopathischen Identifizierung, in der das Subjekt die Person des Anderen mit seiner eigenen Per- sönlichkeit identifiziert.

Grundlagenwissen – Ego und Alter Ego

Perspektivenübernahme 3.1.5 Bei der psychologischen Perspektivenübernahme, oder auch Empathie, handelt es sich um einen geistigen Vorgang, bei der sich eine Person virtuell in die Lage einer anderen Person versetzt, um deren Anschauungsweise und Entscheidungen bezüglich einer Sache zu erfahren und zu verstehen. Wir gewinnen unser Wissen über die Denkweisen und Gefühlswelten anderer Menschen kraft unserer Fähigkeit, andere nachzuahmen und die dabei entstehen- den psychischen Empfindungen auf andere zu übertragen, so Lipps 1970. Richard Grandy vermutet 1973, dass wir Personen inter- pretieren, indem wir sie simulieren. Dies sei allerdings nur möglich, wenn eine hinreichende Ähnlichkeit des mentalen Zu- stands zwischen den Personen herrsche. Diese Fähigkeit zur Pers- pektivenübernahme, des taking the role of the other, spielt bei der Entwicklungspsychologie Jean Piagets oder auch in der Psycho- analyse Freuds und Lacans, wie bereits erwähnt, eine wichtige Rolle für die ständige Entwicklung der sozialen Person und des Bewusstseins.

Verinnerlichung Aussenstehender 3.1.6 Weiterhin beschreibt Freud den Prozess der Verinnerlichung Aussenstehender, bei der wichtige Bezugspersonen internalisiert werden und sich zu inneren Objekten entwickeln können, aus denen sich wiederum das Über-Ich, also sozusagen das Gewissen, bildet. In Freuds Auslegung sind hier primär die Eltern, genauer noch das gleichgeschlechtliche Elternteil, gemeint, doch findet

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