X hits on this document

185 views

0 shares

0 downloads

0 comments

16 / 40

30

Grundlagenwissen – Synthesen

3.2.3 Cyberspace Der Begriff des Cyberspace wurde ebenfalls von Gibson in Neuro- mancer eingeführt. Das Buch selbst beschreibt Cyberspace als „eine auf beidseitigkeit beruhende Halluzination, die täglich Milliarden von rechtmäßigen Usern widerfährt, in jeder Nation, wie Kindern, denen mathematische Konzepte beigebracht werden. Eine graphische Represäntation von Daten, aus den Speicherban- ken eines jeden Computers des menschlichen Systems abstrahiert. Unvorstellbare Komplexität. Strahlen aus Licht, angeordnet im Nichtraum des Geistes. Anhäufungen und Konstellationen von Daten. Wie Großstadtlichter, schwindend.”12 Es handelt sich also um computergenerierte, virtuelle Welten, in denen sich ein Nutzer mit Hilfe spezieller sensorischer Hardware bewegen kann und welche als virtuelle Zonen für Vergesellschaftungs- und Lern- prozesse genutzt werden kann. Mittlerweile wird der Begriff aber auch für virtuelle Realitäten, wie z.B. MMOGs verwendet. Der Videokünstler McLuhan geht einen Schritt weiter und bezeichnet die elektronischen Medien als Ausbau des mensch- lichen Empfindungsapparates. Seiner Meinung nach sind sie auch Prothesen, die die natürlichen Begrenzungen des menschlichen Körpers überwinden. Donna Haraway steigert diese Behauptung noch durch die Aussage, dass Prothesen nicht nur eine körper- liche Erweiterung seien, sondern sich auch zu einer „grundlegen- den Kategorie, um unser intimstes Ich zu verstehen” entwickeln13. Die Verbindung wird klar, wenn man McLuhans Spruch „the medi- um is the mirror”, welchen er zu David Rokebys Exponat Transfor- ming Mirrors formulierte, als Neuauflage des Lacan’schen Spiegel- stadiums sieht.

Grundlagenwissen – Imaginationen

Die virtuelle Realität bietet die Möglichkeit sich frei in einem virtuellen Raum zu bewegen und mit einer dreidimensionalen Umgebung zu interagieren. Ohne Furcht vor Konsequenzen kann alles ausprobiert werden und es kann somit zu einer völlig neuen Auslegung des Mottos „learning by doing” gelangt werden. „Unter solchen Bedingungen wird das Doing zum Trying; ein Experiment mit der Welt, um herauszufinden, wie es funktioniert[...]” 14

Jean Baudrillard sieht jedoch eine große Gefahr in der Computertechnologie, in Form geistiger und körperlicher Abhän- gigkeit. Er befürchtet, dass die Technologie „zu einer mentalen Prothese für eine Spezies ohne Denkfähigkeit wird. [...] Unbe- weglich vor seinem Computer macht der virtuelle Mensch Liebe am Bildschirm und unterrichtet nur auf Basis von Telefonkon- ferrenzen. Er ist ein physischer - und ohne Zweifel auch mentaler Krüppel.”15

Imaginationen 3.3 Phantasie 3.3.1 Als Phantasie wird ein imaginäres, organisiertes, meist visuell dargestelltes Szenarium bezeichnet, in dem das Subjekt, der Phan- tasierende, selbst anwesend ist und einen letztlich unbewussten Wunsch in mehr oder weniger entstellter Form auslebt, also eine Wunschinszenierung. Es handelt sich um eine „psychische Realität, welche mit der materiellen Realität nicht verwechselt werden soll”, so Freud.16 Einer korrekten Darstellung der Inhalte würde die Phantasie nicht standhalten, sie steht also im Gegensatz zur eigentlichen Wahrnehmung und wird deswegen von der Psycho-

31

Document info
Document views185
Page views185
Page last viewedFri Dec 09 04:48:51 UTC 2016
Pages40
Paragraphs554
Words10685

Comments