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Grundlagenwissen – Imaginationen

analyse als rein illusorisches Produkt gesehen. Tatsächlich ähnelt demzufolge die Struktur der Phantasie auch der der Träum sehr. Freud selber unterscheidet seiner Analyse nach zwischen den bewussten und unbewussten sowie zwischen unterschwelligen Tagträumen und Phantasien.

3.3.2 Tagtraum Ein im Wachzustand vorgestelltes Szenarium, das eine Wunsch- erfüllung beinhaltet, bezeichnet man hingegen als Tagtraum. Bei der Untersuchung der Tagträume fand Freud heraus, dass es ty- pische Traumarchetypen mit immer wiederkehrendem Inhalt gibt, welche er dann als Urphantasien bezeichnet. Ebenso wie Phan- tasien müssen Tagträume nicht immer bewusst stattfinden. Laut Freud „kommen überreichlich Unbewusste vor, die wegen ihres Inhalts und ihrer Abkunft vom verdrängten Material unbewusst bleiben müssen“.17 Bei diesem verdrängten Material handle es sich zum guten Teil um Kindheitserlebnisse.

3.3.3 Illusionsbildung und -durchbrechung Die Illusionsbildung ist kein Automatismus, sondern ist abhängig von bestimmten Faktoren, Voraussetzungen und Verfahren, auf- grund derer die Vorstellung des Rezipienten überhaupt erst gebildet werden kann. Bei den rezipientseitigen Faktoren unter- scheidet man zwischen sogenannten überindividuellen Faktoren, wie z. B. dem jeweiligen Vorstellungsvermögen und dem Bedürfnis nach Fiktion, und den individuellen Faktoren, welche den persön-

Grundlagenwissen – Imaginationen

lichen Erfahrungshorizont, den sozialen Status und die eigene Weltanschauung umfassen.

Das eigentliche Ziel einer Illusionsbildung ist es, eine an- sprechende und wahrscheinlich wirkende Erfahrung zu schaffen, die den Rezipienten interessiert und fesselt. Diese Erfahrungs- simulation und -vermittlung kann nur erfolgreich sein, wenn die Immersion des Rezipienten vollkommen und die bei ästhetischen Illusionen auftretende Distanz minimal ist.

Folgende Prinzipien müssen erfüllt sein, um Inhalt illusio- nistisch zu gestalten und dementsprechend erfolgreich vermitteln zu können:

Die Wahrhaftigkeit musst gewahrt sein. Nicht nur die großen Sachverhalte müssen stimmig sein, sondern mehr noch wird nach einer exakten Detailtreue verlangt.

Ein weiteres Prinzip ist das der Sinnzentriertheit. Jegliche in der Illusion vorkommenden Objekte und Inhalte müssen sinnig in der kreierten Welt orientiert sein. Handlungen verlangen nach stimmigen, psychologischen Motivationen und nach Handlungs- logik. Ebenso ist eine Erzähllogik und Konsistenz notwendig.

Auftauchende Subjekte verlangen nach Perspektivität: unsere Welt imitierend, muss es verschiedene Ansichten geben, unterschiedliche Parteien und Horizontbegrenztheit.

Die Mediumsadäquatheit schreibt die vernünftigste Aus- schöpfung des verwendeten Mediums vor.

Spannung und Interessantheit sind erforderlich, sowie eine psychologische oder emotionale Bindung des Rezipienten.

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