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Gemeinderat, 18. WP2. März 200718. Sitzung / 103

glaube, dass das nicht der richtige Weg ist.

Wenn wir über die Grenzen hinausschauen: Ich glaube, es gibt keine Stadt - nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt -, die nicht durch ihre Märkte geprägt ist, durch ihre ganz unterschiedlichen Märkte, temporär oder permanent, in Hallen untergebracht, je nach Witterungslage, oder ganz im Freien. Wenn man nach Paris schaut, auf den Markt bei der Bastille, nach Amsterdam, auf den Münchner Viktualienmarkt: Diese Märkte leben nicht davon, dass sie gleichförmig und steril sind, sondern davon, dass sich dort buntes Leben entfaltet und ein Flair gibt und ein bisschen durchaus auch etwas Nostalgisches mit sich trägt, was ja ein Markt ist. Denn das ist ja die älteste Verkaufsform, wie wir sicher alle wissen.

Der Kunde erwartet dort neben einem ausreichenden Angebot an Frischware und einem kostengünstigen Angebot natürlich auch dieses Flair und diese Umgebung. Ich wage zu behaupten, dass viele, die auf dem Markt einkaufen, es nicht nur deshalb tun, weil der Preis und das Angebot stimmen, sondern weil sie sich beim Einkaufen einfach wohl fühlen und das alles nicht unbedingt aus dem sterilen Supermarkt einkaufen wollen.

Wenn wir zurückblicken - und ich muss jetzt einmal um zirka 20 Jahre zurückgehen -, ist in meinem Wohnbezirk, in dem ich auch politisch tätig bin, Folgendes geschehen: Da gab es einen kleinen Markt - er war nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Zeit -, das war der Dornermarkt. Den hat man in der Erwartung, dort ein Einkaufszentrum - mit Wasserwand und was weiß ich sonst noch - hinstellen zu können, einfach weggewidmet.

Es ist jetzt erfreulich, dass da bei der ÖVP ein Umdenken stattgefunden hat. Denn es war zwar damals der sozialistische Bezirksvorsteher, dessen Wunsch es war, diesen Dornermarkt nicht in Form eines Marktes zu erhalten, aber die SPÖ wurde damals kräftig unterstützt von der Österreichischen Volkspartei. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern.

Wir Freiheitliche waren als einzige Partei dagegen, dass man einen Markt nicht revitalisiert, sanft revitalisiert, in einem relativ armen Gebiet, wenn man das so sagen kann, dem Kalvarienbergviertel, mit weniger potenten Kunden, in einem Gebiet, wo viele alte Leute leben und wo der Ausländeranteil damals schon recht hoch war, also alles wirklich gezielte Marktkunden. Diesen Markt hat man - wupps, wupps - weggewidmet.

Das Projekt EKZ - mit Wasserwand und Sonstigem - ist dort niemals aufgegangen, war niemals realisierbar, und die Anrainer wurden zehn Jahre lang mit einer Baugrube vor der Nase belästigt. Heute ist dort ein einfacher Platz, und es hat sich keine Geschäftsstruktur mehr entwickeln können. - So viel zu den Märkten in Wien.

Der Brunnenmarkt ist ja in letzter Zeit auch im Fokus derer, die sich für diesen Markt interessieren. Auch hier, glaube ich, sei dies den Politikern mitgegeben: Man soll sich schon auf die Wünsche der Standler und vor allem auch auf die Wünsche der Kunden einstellen.

Sehr geehrte Damen und Herren! Der Fall Landstraßer Markt ist in Wirklichkeit viel zu spät in der Diskussion. Wie ich mich erinnern kann - und ich hatte damals in der Gegend, obwohl ich aus einer ganz anderen komme, relativ oft zu tun -, war diese Markthalle doch schon in den 70er Jahren schäbig. Ich kann mich erinnern, ich bin damals dort nicht gerne durchgegangen, es war unhygienisch und es war grauslich. Es war allerdings - das war mir damals wurscht, aber ich wusste es - das Warenangebot, so wie heute, ein interessantes für die Kunden.

Ich glaube auch, dass es versäumt worden ist, diese Halle als Markthalle, so wie sie sich heute darstellt, zu sanieren. Das hätte man wahrscheinlich in den frühen Siebzigern in Angriff nehmen müssen, damit wirklich etwas daraus geworden wäre und damit es auch von einer wirtschaftlichen Überlegung getragen wäre. (GR Christian Hursky: Den gibt es erst seit 1979!) Dort war immer schon so ein ... Das stimmt ja nicht!

Wozu wir aber, meine ich, aufgerufen sind, ist, dass wir natürlich vor Ort das entsprechende Angebot an Nahversorgung erhalten müssen. Denn das ist gut und beliebt, und es kann sich keiner wünschen, dass dort dann wieder ausnahmslos die Geschäfte großer Ketten hineinkommen, in gleichförmige Art und Weise, wie uns eben viele EKZ, vor allem an Verkehrsknotenpunkten, präsentiert werden.

Deshalb werden wir heute auch gerne einen Antrag mittragen, der sich damit befasst, dass wir die notwendigen Schritte unterstützen, um eben die zuständige Stadträtin zu ersuchen, entsprechende Verhandlungen einzuleiten, um dieses Angebot an Frischware, an kostengünstiger Frischware, dieses Angebot, das die Kunden gewöhnt sind, aber natürlich auch den Erhalt von Einzelhandel an diesem Standort, wenn möglich, zu sichern.

Sehr geehrte Damen und Herren! Märkte in einer Stadt sind wichtig und notwendig. Sie prägen die Stadt, sie sind Dreh- und Angelpunkte, sie sind ein wichtiger Teil der Nahversorgung. In weiten Bereichen von Wien ist die Nahversorgung leider schon ziemlich reduziert und wurden sozusagen mehrere Anschläge auf Geschäftsleute, auf Geschäftsstraßen durch die Politik, die in Wien seit Jahrzehnten so stattfindet, gemacht.

Wir ersuchen Sie daher, wirklich alles Mögliche zu unternehmen, dass an diesem Standort die Nahversorgung - allerdings in einer tragbaren Umgebung - für die Bevölkerung erhalten bleibt. (Beifall bei der FPÖ.)

Vorsitzender GR Günther Reiter: Zum Wort gemeldet ist Frau GRin Cammerlander. Ich erteile es ihr.

GRin Heidemarie Cammerlander (Grüner Klub im Rathaus): Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren!

Im letzten Jahr hat erfreulicherweise Frau StRin Wehsely einen Arbeitskreis gehabt und sich wirklich dafür eingesetzt, dass die Marktordnung verbessert worden ist. An diesem Arbeitskreis waren auch die Fraktionen beteiligt. Sie sagte damals: Dies ist nur ein

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