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Gemeinderat, 18. WP2. März 200718. Sitzung / 28

Optimistisch dahin gehend und ich gehe hier jede Wette ein, dass in dem Zeitraum, den legitimerweise die Austria, um einmal die Sache vom Stadion aufzuziehen, möchte, nämlich zum 100. Geburtstag der Austria ein internationales Stadion zu haben, es einen einzigen Standort in Wien gibt, wo das unmöglich ist und die Stadt Wien mit irgendeiner Zielstrebigkeit ausgerechnet Rothneusiedl vorschlägt, wo, außer wir schaffen den Rechtsstaat ab, was ich weder hoffe noch glaube, es undenkbar ist, dass bis 2011, 2012 ein Stadion und ein Einkaufszentrum errichtet werden. So und jetzt versuchen wir das in seiner Komplexität ein bisschen aufzudröseln.

Was will MAGNA? Und ich zitiere dafür ein Protokoll, das ohnehin schon durch die Medien gegangen ist, im Bereich der MA 18, das richtigerweise auch der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte, weil MAGNA hier nichts vorzuwerfen ist. MAGNA legt seine Interessen auf den Tisch und möchte Folgendes machen; ich fasse es noch einmal für jene zusammen, die das vielleicht nicht so genau verfolgt haben:

Da ist nicht jemand mit der großen Schatulle, der der Austria ein Stadion schenkt. Es ist ganz eindeutig: Man nehme ein ausreichend großes Einkaufszentrum und glaube, damit genügend Geld zu verdienen, um nebenbei ein Stadion mitfinanzieren zu können. Also alle, die glauben, es gibt nur ein Stadion - das gibt es nicht. Es wird auch kein kleineres Einkaufszentrum geben, weil mit quasi einem erweiterten Greißlereibetrieb sich ein Stadion, das internationale Qualität haben soll nach Überlegung von MAGNA, nicht finanzieren lässt. Ich zitiere nur aus diesem Protokoll, weil es MAGNA klar auf den Tisch legt. Sie wollen ein Stadion mit 30 000 Parkplätzen und mindestens 60 000 m² mit dem Ziel der Erweiterung auf 120 000 m². Für die, die Schwierigkeiten mit größeren Zahlen haben, damit sie einmal eine Vorstellung haben: Eines der lukrativsten Einkaufszentren und das größte Einkaufszentrum Wiens, das Donauzentrum, hat 58 000 m². Allein die Favoritenstraße hat weniger Quadratmeter als das Einkaufszentrum.

Darum bin ich sehr froh, dass es bei der MA 18 liegt, die richtigerweise einen Gutachter beauftragt hat und sich einmal gefragt hat: Was bedeutet denn das für die Favoritenstraße? Was bedeutet denn das für den Nahbereich? Und diese Erkenntnisse sind verheerend! Das ist verheerend! Also da habe ich durchaus mehr als Vertrauen in die Beamten der Stadt. Wenn ich nur ein paar Dinge daraus zitieren darf, was hier gesagt wird.

Die wesentlichen Aussagen: Im Untersuchungsgebiet gibt es bereits heute einen Überhang an Nettoverkaufsflächen von 80 000 m². Also es gibt jetzt schon mehr als das zu viel, als was hingebaut werden darf. Fazit des von der Stadt Wien beauftragten Gutachters: Es gibt keinen Bedarf für ein EKZ der untersuchten Größenordnung in Rothneusiedl! Ein Ekazent dieser Größenordnung würde das Zentrengefüge nachhaltig verändern und die bestehenden Zentren deutlich schwächen. Also das

bilden nicht wir uns ein, sondern das sagt ein Gutachter für die MA 18, die ja daraus auch eine kritische Stellungnahme ableitet.

Die Synergien zwischen Stadion und EKZ, die in der amerikanischen Kultur eine völlig andere sind, sind in Wien eher gering einzustufen. Selbst ein kleineres würde die bestehenden Geschäftsstraßen im Nahbereich schwächen. Richtigerweise wird auf die Illusion hingewiesen – und Größenwahn und große Visionen liegen oft nah beieinander -, dass man ausgerechnet auf der grünen Wiese in Rothneusiedl der eingefahrenen Shopping City Süd Konkurrenz machen will. Auch da wird darauf hingewiesen, wie es geht.

Also fassen wir einmal zusammen: Das, was das Geld bringen soll, das Einkaufszentrum, ist verheerend für die Nahversorgung der Stadt. Jetzt sage ich das aus einer sozialen Sicht. Wir sind eine alternde Stadt. Das ist kein Problem, das ist eine Tatsache. Es ist eine Errungenschaft der europäischen Stadt, dass du dort, wo du wohnst, im Nahbereich auch fußläufig einkaufen kannst. Ich kenne viele Städte der Welt, ich komme gerade aus einer, wo das nicht möglich ist. Die Frage ist nur, ob wir das wollen, und das sage ich jetzt seriös auch zum Herrn Madejski: Wollen wir so leben, dass du für alles, was du besorgen und einkaufen musst, ins Auto steigen musst? Viele Städte der Welt sind so organisiert. Was heißt das für eine alternde Stadt, wo ein Großteil der Menschen oder ein großer Teil über kein Auto verfügt? Wir ruinieren mit diesen großen Einkaufseinrichtungen permanent die Nahversorgung! Das ist kein Spleen weder von den GRÜNEN noch von Bürgerinitiativen oder der Kammer, das ist eine Tatsache, denn auch das geht aus diesem Gutachten hervor: Die Kaufkraft in Wien ist begrenzt. Sie wächst nur zurückhaltend. Insofern kannibalisieren diese riesigen Einkaufszentren das bestehende Stadtgefüge. Das steht dahinter und das ist einmal einer der Hauptgründe, warum diese Einkaufszentren auf der grünen Wiese nicht funktionieren.

Ein Weiteres ist, wo ich den Herrn Bürgermeister überhaupt nicht verstehe: Ja, für dieses Gebiet, diesen Acker, wird jetzt von uns kein Antrag kommen, es unter Naturschutz zu stellen, sondern das ist sehr wohl in der Tat ein interessantes Wirtschaftsentwicklungsgebiet. Ist aber das Einzige, was der Stadt Wien zum Thema Wirtschaftsentwicklung einfallt, ein Rieseneinkaufszentrum? Da gibt es ein bissel was anderes auch dazwischen. Da gibt es Gewerbebetriebe und Industriebetriebe, die es oft schwer haben, in Wien Grundstücke zu finden. Das ist ja der Punkt! Und da könnte und müsste man sehr wohl darüber diskutieren, wie man dieses Gebiet gewerblich und industriell, vielleicht in einem interessanten Mix, erschließen kann, weil die ja zum Glück nicht mehr wie im 19. Jahrhundert stinken, und wie das durchaus positiv geht. Das sage ich auch Richtung StR Schicker. Im Bereich vom Flugfeld Aspern wird auch ein Masterplan gemacht. Da geht es auch um eine Entwicklung von Wohnen und Industrie und Gewerbe. Da gibt es durchaus einen

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