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Gemeinderat, 18. WP2. März 200718. Sitzung / 52

Das Projekt aus dem Jahr 2005 - und vielleicht ist es mir auch deswegen so aufgefallen, weil mein Hintergrund ja ein bisschen aus der Wirtschaft ist und ich im Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband tätig bin - ist das Projekt „DELETE!" gewesen, die Entschriftung des öffentlichen Raumes, ein Projekt oder eine Arbeit, die in der Neubaugasse umgesetzt wurde. Es wurden alle Logos, alle Schriftzüge mit gelben Folien verhängt.

Es war sehr interessant zu beobachten, wie dieses Zurücknehmen der Schriftzüge einen neuen Blickwinkel zeigt, die Sicht verändert und die Wahrnehmung, meine persönliche Wahrnehmung auch für die Architektur, auch für Dinge, die sonst nicht so im Fokus stehen, ganz anders verschoben hat. „DELETE!" hat es verstanden, einen neuen, gemeinsamen Erfahrungsraum zwischen den lokalen Wirtschaftsstrukturen und der Bevölkerung darzustellen.

Als zweiten Punkt möchte ich gerne ein Projekt ansprechen, das jetzt, wie ich denke, uns alle bewegt, wo man immer wieder durchgeht und das Teil der täglichen Aufmerksamkeit ist, und zwar auf dem Kunstplatz Karlsplatz das Projekt „Pi" von Ken Lum. Ich hoffe, Sie alle haben das Projekt gesehen. Es ist wirklich sehr, sehr faszinierend, beschäftigt sich mit Statistik, mit Spiegeln, mit Wahrnehmung, mit Fotografie, was ja sehr stark für den Künstler Ken Lum spricht, der sich mit diesen Materien seit den 80er Jahren auseinandersetzt.

Ich denke, gerade auch durch den Einfluss des Dada- und des Surrealismus ist es ein Projekt, das für die Menschen - auch für Menschen, die sich nicht so viel mit Kunst auseinandersetzen - wahnsinnig interessant und wahnsinnig spannend ist. Ich glaube, der Anklang, den es auch in der Presse gefunden hat, spricht sehr für diese Umsetzung der Kunst im öffentlichen Raum.

Als dritten Punkt - das ist auch schon von meinen Vorrednern angesprochen worden - möchte ich gerne auf das Projekt zu sprechen kommen, das, denke ich, dieses Jahr - und hier darf ich Ihnen auch eine Antwort geben, Frau Ringler - umgesetzt werden wird, das Projekt des Rosa Platzes am Morzinplatz, ein Projekt, das von Hans Kupelwieser durchgeführt wird.

Für alle, die es nicht wissen: Es ist ein Projekt, das sich mit den Opfern aus dem Nationalsozialismus beschäftigt. Es wird eine Wasserfläche sein, eine rosa Wasserfläche, und ich glaube - weil Sie vorhin in Ihrer Rede gesagt haben, ob das rosa Wasser für die Leute aufregend sein wird, Herr Stefan -, dass es ganz, ganz wichtig ist, dass man auch dieser Opfergruppe der homosexuellen und der transgender Opfer mit diesem Denkmal gerecht wird, dass das eine großartige Sache ist, da es im Moment kein Denkmal in der Stadt gibt, das dieser Opfergruppe gedenkt.

Ich glaube, dass es außer Zweifel steht, dass das eine phantastische, großartige Geschichte ist und dass dieser Platz - so wie ich das empfinde - ein Platz sein wird, der gegen Verbote steht, der dafür steht, dass man verweilt, dass man zur Ruhe kommt, dass man nachdenkt und dass gerade auch für meine Generation und für die Generationen danach, glaube ich, es ganz

wichtig ist, dass man auf diese Sache immer wieder aufmerksam macht, dass nicht vergessen wird, dass nicht vergessen werden darf! (Beifall bei der SPÖ und von GRin Mag Maria Vassilakou.)

Abschließend möchte ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass ich in einer Stadt lebe, in der Kunst Platz und Raum findet, in der Kunst mutig ist und solche Projekte hervorbringt wie diese Kunst im öffentlichen Raum, die ohne Barrieren auf Passanten und auf alle zugeht und immer bereit ist, starke Zeichen zu setzen.

Ich bitte Sie daher zuzustimmen. Und wir werden natürlich zustimmen. - Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)

Vorsitzender GR Dr Wolfgang Ulm: Wortmeldung liegt mir keine mehr vor. Die Debatte ist geschlossen. Der Herr Berichterstatter hat das Schlusswort.

Berichterstatter GR Ernst Woller: Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich glaube, dass es zwei wichtige Anträge und Beschlüsse sind, die wir hier fassen, um das so erfolgreich gestartete und im Laufen befindliche Projekt Kunst im öffentlichen Raum auch für die nächsten Jahre abzusichern.

Wenn Kollege Stefan gesagt hat, Kunst im öffentlichen Raum ist fraglich, dann muss ich sagen: Für mich ist auch fraglich, warum Sie die Anträge nicht besser lesen. Denn dann hätten Sie gesehen, dass es nicht um ein Projekt von Valie Export geht, das gefördert wird, sondern um ein Musikprojekt des Künstlers Oliver Hangl in einem Raum, den Valie Export schon viel früher am Gürtel geschaffen hat, das heißt, es gibt nur ein Projekt von Valie Export.

Zu Valie Export kann man nur feststellen, es handelt sich bei Valie Export - und das ist vielleicht ein Problem des Redners - um eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Zweiten Republik. Wir können sehr glücklich sein, dass sie in dieser Stadt ihre Projekte realisiert.

Zur Auswahl kann man nur sagen: Es gibt einen hochkarätig besetzten Beirat, der die Projekte beurteilt. Die Entscheidung liegt selbstverständlich nicht bei der Politik, die Entscheidung liegt nicht beim Kulturstadtrat. Die Politik und der Kulturstadtrat haben die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, in deren Rahmen ebendieser unabhängige Beirat die Projekte auswählt. Wir sind sehr froh, dass derart hochkarätige Projekte realisiert werden, und ich glaube, wir können auch auf diesem Gebiet auf unsere Kulturstadt sehr stolz sein.

Die beiden Anträge, die wir heute hier beschließen werden, schaffen dafür die besten Voraussetzungen, um auch in Zukunft das erfolgreiche Projekt Kunst im öffentlichen Raum fortsetzen zu können.

Vorsitzender GR Dr Wolfgang Ulm: Wir kommen damit zur Abstimmung.

Wer für den Antrag des Berichterstatters ist, bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich stelle die Zustimmung bei ÖVP, SPÖ und den GRÜNEN fest, damit ist der Antrag mehrheitlich angenommen.

Wir kommen zur Abstimmung bei Postnummer 44.

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