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und Krankheit völlig aufgerieben, ein nicht gerade untypisches Schicksal einer deutschen Frau in dieser Zeit. Sie hat sich ganz für ihre Familie und ihre Kinder aufgeopfert, aber letzten Endes reichten ihre Kraft und ihre Gesundheit nicht, das alles durchzustehen. Hanka schildert ihre Mutter als eine verängstigte, willenlose, empfindsame und unglückliche Frau, dem Jähzorn und der Rücksichtslosigkeit ihres Mannes hilflos ausgeliefert. Wiederum ist vorstellbar (aber reine Spekulation), dass das Schicksal ihrer Mutter für Hanka immer ein abschreckendes Beispiel gewesen ist.

2.  Hanka Grothendieck

... wiederholen wir, dass sich auch dieses Kapitel nahezu ausschließlich auf die Darstellung in „Eine Frau“ stützt, wo sie ihr eigenes Leben bis zum Jahr 1927 beschreibt. Wenn wir uns jetzt also mit diesem Leben beschäftigen, dann muss zugleich auch hervorgehoben werden, dass Hanka im Leben ihres Sohnes eine zentrale Rolle gespielt hat. In seinen Aufzeichnungen und Meditationen kommt er immer wieder auf seine Mutter zu sprechen. Wenn man sein Leben verstehen will (soweit das möglich ist), erscheint es geboten, sich mit ihrem Leben genauer zu beschäftigen. Wir schildern es in diesem Kapitel zunächst bis zum Jahr 1927, als sie mit Alexander schwanger ist.

    Hankas erste Lebensjahre verlaufen in dem Rahmen, der durch eine bürgerliche Hamburger Familie abgesteckt ist. Doch schon sehr früh kommt es zur Entfremdung von der Familie. In EF schreibt sie: „Als sie dreizehn Jahre alt geworden war, beschloß Charlotte Babendeerde ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“. Sie ist offenbar eine gute Schülerin, muss jedoch das Lyzeum wieder verlassen, als die Familie sich das finanziell nicht mehr leisten kann. Mit etwa siebzehn Jahren fängt sie eine Ausbildung als Kindergärtnerin an, die sie so wenig zu Ende führt, wie irgend etwas in ihrem Leben. Um diese Zeit beginnt dann endgültig ihre radikale Emanzipation – man muss sagen – von allen herkömmlichen Konventionen und Vorstellungen einer bürgerlichen Gesellschaft, zumal der hamburgischen. Was diesen Bruch in ihrem Leben ausgelöst hat, ist nicht ganz klar zu erkennen. Ist es der bedrückende soziale Abstieg ihrer Familie, sind es uns heute unbekannte familiäre

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