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Probleme oder das unglückliche Schicksal ihrer Mutter, oder ist es einfach ihre Veranlagung, sind es ihre „Gene“ – wir wissen es nicht.

    Sie nimmt zeitweise Schauspielunterricht, schreibt Gedichte und kleinere Prosa-Stücke, sie hat den Plan, sich in der Künstler-Kolonie in Worpswede bei Heinrich Vogeler niederzulassen, sie durchlebt psychische und physische Krisen. Sie beginnt, meistens völlig mittellos, ein unruhiges Wanderleben,  in Jugendherbergen und anderswo ergeben sich Zufallsbekanntschaften; sie zieht mit einem herumreisenden Händler und Hausierer wochenlang durch die Mark Brandenburg, lässt sich von diesem „aushalten“, weigert sich aber hartnäckig, die übliche oder jedenfalls erwartete Gegenleistung zu erbringen.

    Zurück in Hamburg macht sie die Bekanntschaft eines von der Kirche relegierten und entlassenen evangelischen Geistlichen, der im Rahmen der „Fichte-Hochschule“ – einer Art Volkshochschule - eine große Anhängerschaft um sich geschart hat. Es entwickelt sich ein etwas klebriges Verhältnis zwischen dem eitlen und  salbungsvollen Familienvater und dem aufsässigen neunzehnjährigen Mädchen. Doch abgesehen davon erkennt dieser Mann ihr schriftstellerisches Talent und bestätigt sie in ihren künstlerischen Plänen, ermutigt sie, einen Roman zu schreiben, und verspricht, sich für die Veröffentlichung einzusetzen 6.

    Bei den Veranstaltungen der Fichte-Hochschule macht Hanka auch Bekanntschaft mit Reformbewegungen verschiedener Art, zum Beispiel der Freideutschen Jugend, die später in ihrem Leben kaum noch eine Rolle spielen. Sie durchlebt eine krisenhafte und ziellose Phase der „Selbstfindung“ (die vielleicht niemals ganz abgeschlossen wurde).

    Wichtig für ihre nächste Lebensstation ist die Tatsache, dass sie über die Fichte-Hochschule die Bekanntschaft des bekannten Dramaturgen, Schriftstellers und Malers Lothar Schreyer macht, der dort nach Mitarbeitern für sein expressionistisches Experimentaltheater „Kampfbühne“ suchte. Sie wirkt in den Jahren 1920/21 als Schauspielerin und Rezitatorin bei der „Kampfbühne“ mit. Über die außerordentlich interessante und dramatische Geschichte dieses Theaters und seiner Mitarbeiter gibt es verschiedene Publikationen, die Hannah Grothendieck kurz erwähnen. In unveröffentlichten Erinnerungen, die Lothar Schreyer 1965 niedergeschrieben hat, heißt es über die Aufführung des

6   Es handelt sich offenbar um

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