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in Hankas Roman „Eine Frau“; das letzte (vorhandene) Kapitel heißt „Sascha“ und ist ihm gewidmet. In diesem Kapitel lernen wir eine faszinierende Persönlichkeit kennen mit einem Lebenslauf, wie man sich ihn abenteuerlicher kaum vorstellen kann. Und jedem Leser wird sich sofort der Gedanke aufdrängen, dass in seinem Charakter und seiner Persönlichkeit ein Schlüssel zum Verständnis des Lebens seines Sohnes liegt: Will man Grothendiecks wechselhaftes Leben verstehen (oder nur versuchen es zu verstehen), so wird man mit seinem Vater (und seiner Mutter) beginnen müssen. Grothendieck, der sich selbst vielleicht oft ein Rätsel war, hat das offenbar selbst erkannt und sich Monate lang mit der Biographie seiner Eltern und ihrem Briefwechsel beschäftigt. Seine diesbezüglichen Notizen in ReS und vor allem CdS sind die zweite wichtige Quelle, die wir heranziehen können. Weiter existieren noch einige, wenn auch nur wenige Originaldokumente, die auf Saschas Leben Bezug haben: Etwa zwanzig Fotografien, die Sascha, seine Mutter, seine erste Frau Rachil und den Sohn Dodek zeigen, das Scheidungsurteil der Ehe Grothendieck/Raddatz, die schon erwähnte Erklärung vor dem Jugendamt, ein einziger Brief an die Tochter Maidi seiner Lebensgefährtin und schließlich die Mitteilung des Roten Kreuzes aus dem Jahr 1957 über seine Deportation nach Auschwitz 12.

    Beginnen wir also unseren Bericht:

Es ist sicher, dass Sascha im Jahr 1890 (vielleicht auch 1889) in der ukrainischen Kleinstadt Novozybkov im Dreiländereck Ukraine, Weißrussland, Russland geboren wurde. Über das Geburtsdatum gibt es unterschiedliche Angaben: Grothendieck nennt in einer seiner Meditationen den 6.8.1890, wobei nicht klar ist, welcher Kalender zugrunde gelegt ist. In der gerade erwähnten Mitteilung des Roten Kreuzes ist einmal der 10.11.1889, einmal der 11.10.1889 genannt. Vor dem Jugendamt in Berlin legt er bei der Regelung der Unterhaltsangelegenheiten für seinen Sohn Alexander einen Personalausweis mit Geburtsdatum 11.10.1889 vor. Falls dieser Ausweis jedoch auf Grund gefälschter Personaldokumente ausgestellt wurde, könnte auch dieses Datum unzutreffend sein. In der Erklärung vor dem Jugendamt heißt es über seinen Vater „Verstorben 1923“ und über seine Mutter „Unbekannt in Rußland, (Marie Tanaroff geb. Dimitriewa in Nowozubkow)“. Abgesehen von einer Fotografie seiner Mutter ist das alles, was wir über seine Eltern wissen, wenn man einmal von zwei kurzen Bemerkungen in EF (Teil V, S. 160) absieht:

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