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Ideologie, die Vision von einem Leben in selbstbestimmter Freiheit ohne staatlichen Zwang, die alles dominierende Überzeugung im Leben Saschas war. Es spricht viel dafür, dass er diese Grundüberzeugung an seinen Sohn weiter gegeben hat.

    Leider enthält „Eine Frau“ nur ganz wenige Bemerkungen zu Saschas Tätigkeit in der anarchistischen Bewegung. Vielleicht liegt das auch daran, dass den Anarchisten konspiratives Verhalten in Fleisch und Blut übergegangen war. Selbst engsten Vertrauten wurde so wenig wie möglich mitgeteilt, schon damit sie bei Verhören und selbst unter Folter nichts verraten konnten. Im Grunde werden in EF nur einige Namen genannt, die aber dennoch aufschlussreich sind, denn es handelt sich durchweg um führende Vertreter, die in ihren Ländern oft sogar eine dominierende Rolle gespielt haben. Man gewinnt den Eindruck, dass Sascha nicht nur eine Randfigur gewesen sein kann. Um so erstaunlicher ist es, dass sich bisher in Nachlässen und Archiven keine Dokumente oder Erwähnungen irgend welcher Art über seine Tätigkeit auffinden ließen.

    Es würde den Rahmen dieser Biographie sprengen, die anarchistische Bewegung in Russland und im Exil nur in ihren wichtigsten Aspekten darzustellen. Wir wollen uns darauf beschränken, jeweils wenige Worte zu den Personen zu sagen, mit denen Sascha nachgewiesener Maßen in Verbindung stand. (Es ist leicht über die meisten dieser Personen, Informationen im Internet und zum Teil ausführliche Literatur zu finden. Auf Literaturangaben wird deshalb verzichtet.)

    An erster Stelle ist Nestor Makhno selbst zu nennen, die zentrale Figur dieser Bewegung und vielleicht das einzige militärische und organisatorische Genie, das sie hervorgebracht hat. Eine seiner wichtigsten und fanatischsten Mitkämpferinnen war Maria Nikiforawa, die schon in den Jahren 1905/06 an terroristischen Aktionen beteiligt war. Wie Sascha wurde sie erst zum Tode, dann zu lebenslanger Haft verurteilt. Von Sibirien aus gelang ihr über Japan die Flucht in die USA. 1917 kehrte sie nach Oleksandrivsk zurück, stellte dort eine anarchistische Kampfeinheit auf, terrorisierte die Stadt, jagte und erschoss Offiziere und Hausbesitzer. In anderen Städten verfuhr sie ähnlich; mit ihrer Truppe „Die Schwarze Wache“ schloss sie sich Makhno an. Wie schon im letzten Kapitel erwähnt, wurde sie schließlich in Charkov von Denikin, dem Führer der „Weißen Armee“ gehängt.

    Als einzige wirkliche persönliche Freunde Saschas werden Nikolai Schwansky und Lev Tschorny genannt:

Freunde hat Sascha zwei in seinem Leben gehabt: Nikolai Schwansky ist in den zaristischen Gefängnissen zugrunde gegangen, kurz bevor die Revolution ausbrach. Lev Tschorny ist in den Tscheka-Kellern umgebracht worden.

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