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Zum Schluss dieses Kapitels zitieren wir zwei weitere Stellen aus EF, die beschreiben, wie Sascha auf seine anarchistischen und proletarischen Genossen und Freunde in Berlin gewirkt hat:

... So richtige wahre Anarchisten, die es mit Fleisch und Blut sind, die triffst du wohl bloß, oder doch am meisten unter den Spaniern und den Russen. Ah, die russischen Genossen - ! Die haben Mut zur Konsequenz. Da gibt es einen, Sascha. Das ist ein Kerl! Ein Epos könnte man von ihm schreiben, was der alles gemacht hat. Und dabei ist er ein Dichter. Wie der schreibt – mein lieber Mann! Schade, ich war nicht in Berlin vor vielen Jahren, da hat er eine Zeitlang hier gelebt, als er aus Rußland geflüchtet war. Nachher ist er nach Paris gegangen, und da bleibt er wohl. Ist auch eine interessantere Stadt für unsereins. Mehr Leben. Ich hab Sascha selbst noch nicht gesehen, aber man erzählt sich ja. - ...

Und so wird Sascha einige Kapitel später beschrieben:

Kuck dich doch in'n Spiegel, Mensch. Du siehst genau aus, wie man sich einen Anarchisten vorstellt, mit deinem rasierten Schädel und deiner Fresse wie ein Cäsar! Daß die dir keine Aufenthaltserlaubnis geben wollen – nee weeste, ehrlich: tät ich ooch nich, wenn ich de Pollezei wäre. Und um illegal zu leben, müsstest du dir erst mal 'n anderen Kopp anschaffen – son harmlosen Kürbis wie unsereins!

Wir kommen jetzt zu einem Punkt, der für einige Verwirrung gesorgt hat. Es gibt nämlich einen sehr bekannten Anarchisten namens Alexander Schapiro mit einer sehr ähnlichen Biographie wie Grothendiecks Vater. Da nun auch Grothendiecks Vater unter diesem Namen bekannt war, ist es nur zu verständlich, dass es zu Verwechslungen gekommen ist und dass sich viele Bemerkungen in der Literatur über Grothendiecks Vater auf diesen Doppelgänger beziehen, z.B. in dem schon erwähnten Aufsatz von Cartier. Tatsächlich ist es Alexander Grothendieck selbst nicht klar gewesen, dass es noch diesen zweiten Alexander Schapiro gab 20, so dass er vielleicht unwissentlich und ungewollt zu dieser Konfusion beigetragen hat. Hier das wichtigste über das Leben des „anderen Schapiro“:

Alexander (genannt Sania) Schapiro wurde 1882 in Russland geboren. Sein Vater, ebenfalls ein Anarchist, war ein Freund von Kropotkin. Bis zum Ersten Weltkrieg war er mit Kropotkin, Malatesta und Rudolf Rocker in der anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsbewegung Englands tätig. Während des Krieges war er wegen seiner Opposition zur Wehrpflicht interniert. 1917 kehrte er nach Russland zurück, um bei der Revolution mitzumachen; angeblich war er sogar kurzfristig Minister in Lenins Kabinett. 1921 verließ er zusammen mit Alexander Berkman und Emma Goldmann Russland und kam nach Berlin. Ende 1922 trafen in Berlin Vertreter

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