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sind verloren gegangen oder unleserlich 21. Es steht außer Zweifel, dass weitere Teile geplant waren und auch geschrieben wurden. Vermutlich wurden sie vernichtet, und über den Inhalt gibt es nur vage Angaben. Die Erinnerungen und Bemerkungen verschiedener Zeugen zu dieser Frage  sind unklar und widersprüchlich. Wir werden später noch einmal auf diese Frage zurück kommen. Im folgenden beschränken wir uns auf den derzeit bekannten Text.

    Wie schon gesagt, beschreibt das Buch Hankas Leben vom Kleinkindalter bis zum Herbst 1927, als sie mit Schurik schwanger ist. Soweit sich Einzelheiten überprüfen ließen, ist das Buch vollständig autobiographisch. Personen der Zeitgeschichte (Lothar Schreyer, Ketty Guttmann, Herwarth Walden, Wilhelm Vogeler, Alexander Berkman, Cläre Waldorf, Max Tepp, Magnus Herzberg) erscheinen meistens mit ihrem richtigen Namen, weniger bekannte unter einem erfundenen. Hanka selbst nennt sich Lotte (Lott, Charlotte) Babendeerde, ihr Mann erscheint als Alfred „Redy“ Spenzer, ihr Lebensgefährte Schapiro/Tanaroff als „Sascha“, ihre Tochter Frode als „Frigga“, manchmal auch als „Ilka“. Ähnlich verfährt sie mit den Namen ihrer Eltern und Brüder.

    Man kann ganz pauschal drei Themenkreise in dem Roman unterscheiden, die natürlich nicht überall getrennt, sondern mehr oder weniger ineinander verwoben sind: Im ersten Teil überwiegt die Schilderung des „Niedergangs einer Familie“. Das Mittelstück ist eine Art Entwicklungsroman, der vor allem das Wanderleben, die Phasen der Selbstfindung und die (zeitweise etwas verkrampft geschilderte) erotische und sexuelle Emanzipation der Heldin Lotte, ihre journalistische Tätigkeit, ihre Schauspielerei und ihre Hinwendung zur Schriftstellerei beschreibt. Der Schlussteil vermittelt ein realistisches Bild der proletarisch-anarchistischen Szene des Berlins der zwanziger Jahre und beschreibt die Bekanntschaft und Liebe Lottes zu Sascha. Vor allem der letzte Teil ist nicht nur von literarischem Wert, sondern auch ein interessantes historisches Dokument. Die folgenden Ausführungen werden diesen Teil besonders berücksichtigen.

    Hanka Grothendieck hat die Arbeit an dem Buch etwa 1948 oder etwas früher begonnen. Sie berichtet darüber in einem undatierten, etwa April/Mai 1948 geschriebenen Brief an Dagmar Heydorn, die Pflegemutter Schuriks (vgl. das folgende Kapitel):

Nun wäre dieser Brief nicht vollständig ..., wenn ich Ihnen nicht noch etwas ganz Wichtiges mitteilen würde. Ich fang wieder an zu schreiben! ... Sie sind der erste Mensch, dem ich das sage - ... Schurik natürlich – er weiß es nicht nur, sondern er hat mich überhaupt erst zu einem entschlossenen Anfang gebracht, mir den Mut und das Selbstvertrauen dazu wiedergegeben. –

21   Bei den noch vorhandenen Teilen des Original-Typoskriptes handelt es sich ...

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