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Weltkrieg, die Internierungslager und schließlich Auschwitz und der Holocaust.

    Ähnlich ist es nun mit Grothendiecks Leben selbst. Dass er als Kind überhaupt den Weltkrieg überlebt hat, ist alles andere als selbstverständlich, dass er mit seiner höchst lückenhaften und ungeordneten Schul- und Universitätsausbildung innerhalb allerkürzester Zeit zu einem der bedeutendsten Mathematiker seiner Generation aufsteigen konnte, als Anfänger die weltweit führenden Fachleute auf ihrem ureigensten Gebiet über­flügelte, ist einfach unerklärlich, und sein plötzlicher Rückzug aus der Welt der Wissenschaft in selbst gewählte Einsamkeit ist ein Vorgang ohne Gegenstück in der Geschichte der Wissenschaft.  Seine Bedeutung als Wissenschaftler macht ihn zu einer Persönlichkeit des „öffentlichen Interesses“, aber vor allem ist er ein Mensch, der sich den Grenzen des Mensch-Seins in intellektueller und existenzieller, aber auch spiritueller und moralischer Hinsicht angenähert hat wie nur ganz wenige.

    Der Lebensweg und das Schicksal von Alexander Grothendieck gehören nicht nur ihm selbst, sondern der menschlichen Gesellschaft überhaupt.

    Mir ist natürlich auch bewusst, dass es viele Menschen gibt - Angehörige, Freunde, frühere Kollegen und Schüler -, die Grothendieck als Menschen und als Wissenschaftler unvergleichlich viel besser kennen als ich selbst. Viele von ihnen könnten seine Biographie sicher leichter und besser schreiben als ich und vor allem seine Persönlichkeit aus eigener Anschauung deutlicher darstellen. Aber vielleicht hat die Beobachtung und Schilderung aus der Distanz auch ihre Vorteile, und ganz wesentlich geht es in diesem Bericht auch um die Darstellung der Szene, auf der Grothendieck agiert hat. Wie dem auch sei – es ist klar, dass sich diese Darstellung in erster Linie an diejenigen richtet, die Grothendieck gar nicht oder nur ganz flüchtig kennen; die anderen muss ich um etwas Nachsicht bitten.

Ich bin einer großen Anzahl von Personen zu Dank verpflichtet für Informationen, Auskünfte und vielfältige Unterstützung. Ich werde sie ihm Nachwort nennen, ebenso wie die von mir benutzten Quellen. Nur die drei wichtigsten, aus denen oft zitiert wird, sollen hier schon genannt werden. Es handelt sich um Hanka Grothendiecks unveröffentlichten autobiographischen Roman „Eine Frau“ (zitiert als EF), und um Grothendiecks unveröffentlichte Meditationen „Recoltes et Semailles“ (ReS), „La Clef des Songes“ (CdS) und „Notes pour la Clef des Songes“ (NCdS).

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