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    6.  Berlin, 1927 – 1933

In früheren Kapiteln wurde das Leben von Hanka und Sascha bis zum Sommer 1927 geschildert, als sie in die Brunnenstraße in Berlin ziehen und dort ein Fotoatelier einrichten. In dieser Zeit wird Hanka schwanger; sie schreibt in EF:

Bald hat Sascha noch mehr Grund als bisher, argwöhnisch zu sein gegen die Stimmungen seiner Geliebten. Lott ist schwanger. Und schwangere Frauen sind den unberechenbarsten Launen unterworfen, das ist ja bekannt. ...

Am 28. März 1928 um „zwölfdreiviertel Uhr“ wird Alexander Raddatz im Krankenhaus Moabit in Berlin geboren. (Es heißt, dass die standesamtlichen Unterlagen über seine Geburt im Inferno der letzten Kriegswochen vernichtet wurden. Es existiert aber eine Kopie der Geburtsurkunde.) Über seine ersten Lebenstage berichtet Grothendieck in CdS, S. 80:  .....

Was immer auch Hankas Einstellung zu „Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt“ (wie Grothendieck es in dem obigen Zitat formuliert) und dann zu ihrem kleinen Sohn gewesen sein mag, es scheint, dass diese Beziehung von Anfang an problematisch und belastet war, dass sich ein natürliches Verhältnis niemals oder nur vorübergehend entwickelt konnte und dass schon ganz früh der Keim für ein psychopathisches Verhältnis gelegt wurde.

     Seit 1927 oder etwas später leben Sascha, Hanka, der am 28.3.1928 geborene Alexander und Frode, genannt Maidi, die Tochter von Hanka und Raddatz, einige Jahre zusammen in Berlin in der Brunnenstraße 165 im Bezirk Wedding, nahe an der Grenze zu Berlin-Mitte. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die Familie gerade hier unterkommt, denn die Umgebung der Brunnenstraße war ein Zentrum jüdischen Lebens in Berlin mit vielen Emigranten aus Osteuropa. Einen anschaulichen optischen Eindruck von diesem Teil Berlins vermittelt der Bildband von Eike Geisel „Im Scheunenviertel“ 29. In einem Prospekt des Berliner Kulturbüros von 2004 findet man unter der Überschrift „Ort der Zuflucht – Ort des Terrors“ folgenden Text: Das Scheunenviertel (zwischen Alexander- und Rosenthaler Platz) war einst Synonym für Armut und Kriminalität und wurde später Zufluchtsort für viele osteuropäische Juden.

29  Eike Geisel, Im Scheunenviertel, Severin und Siedler, Berlin 1981. Über das Leben in der Umgebung der Brunnenstraße unterrichtet weiterhin ein etwa 2002 erschienenes Buch: Die Geschichte der Brunnenstraße – Vom Rosenthaler Thor zum Gesundbrunnen (ohne Jahr, Verlag, Verfasser, ISBN).

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