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1.  Die Großeltern Grothendieck

In diesem Buch wird das Leben von Menschen geschildert, die weit außerhalb der gewohnten Normen der menschlichen Gesellschaft standen, die immer ihren eigenen Weg gegangen sind. ....

Das Schicksal jedes Menschen wird durch seine Eltern, seine Vorfahren und seine nächsten Angehörigen vorherbestimmt und mitbestimmt, und ganz besonders trifft das auf das Leben Alexander Grothendiecks zu. Noch in fortgeschrittenem Alter ist er mit dem Versuch beschäftigt, das Leben seiner Eltern zu ergründen, das Dunkel und das Rätsel, das sie umgibt, zu erhellen. Er beschäftigt sich monatelang mit ihrem Briefwechsel und ihren autobiographischen Aufzeichnungen, er forscht seinem verschollenen Halbbruder nach. Und sicher denkt er darüber nach, wie sie sein eigenes Leben geprägt haben.

    Von den Eltern seines Vaters sind heute kaum noch die Namen bekannt. Sein Vater taucht auf aus einer dunklen, fast unergründlichen Vergangenheit, aus der jüdisch geprägten Welt im Grenzgebiet von Russland, Polen, der Ukraine und Weißrussland, aus einer Welt, die heute – nach dem Holocaust – bis auf kleine Reste und allmählich verblassende Erinnerungen verschwunden ist 1. Und er selbst verschwindet auch wieder in dem Dunkel, das über diese Welt gebreitet ist: 1942 wird er nach Auschwitz deportiert und ist dort ums Leben gekommen.

    Will man also diesen Bericht mit wirklich gesicherten Tatsachen und nicht mit Vermutungen und unsicheren Rekonstruktionen beginnen, so muss man zuerst über die Eltern seiner Mutter sprechen.

Der Großvater hieß Albert Ernst Hermann Grothendieck; er wurde am 3.1.1871 in Damgarten geboren, war evangelisch-lutherischen Bekenntnisses, lebte zunächst in Rostock und spätestens seit 1900 in Hamburg, wo er am 1.3.1945 verstarb. Seine Eltern waren laut Eintrag in seinen Heiratsurkunden der Händler Friedrich Christian Wilhelm Grothendieck und dessen Ehefrau Friedericke, geb.

1  Eine ergreifende fotografische Dokumentation dieser Welt findet man in dem Bildband Roman Vishniac: Verschwundene Welt, Kindler, München 1996.

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