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Rausschmiss bedroht, immer auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Erwiesen ist das keineswegs, aber leicht vorstellbar.

    Ob in dieser Zeit noch enge Kontakte zur anarchistischen Bewegung bestehen, erscheint eher zweifelhaft. Es ist ohnehin etwas rätselhaft, dass Sascha mit gefälschten Papieren und dubioser Aufenthaltserlaubnis bis 1933 von den Behörden unbehelligt in Berlin leben kann.

    Vielleicht haben Hanka und Sascha hochfliegende Pläne in Bezug auf eine zukünftige Karriere als Schriftsteller, vielleicht träumen sie von zukünftigem Ruhm. Sie schreiben gemeinsam kleinere Prosatexte, Sascha kritisiert und korrigiert Hankas Stil und ihre Texte. 1929 bemüht sich Hanka (erfolglos?) um ein Stipendium oder eine finanzielle Beihilfe der Deutschen Schillerstiftung, eine gemeinnützige Stiftung zur Unterstützung von Schriftstellern und deren Angehörigen 30. In NCdS, S. N42, erwähnt Grothendieck, dass es ihnen gelang, die Unterstützung eines Mäzens „für das Buch, das sie berühmt machen wird“ zu erhalten. Doch diese Unterstützung wurde aufgegessen, ohne dass eine Zeile geschrieben wurde.

    Maidi hat offenbar ein gutes Verhältnis zu ihrem Stiefvater, der ihr wirklich, wenigstens zeitweise, zu einem „Vater“ wird. Auch in Schuriks in ReS niedergeschriebenen Erinnerungen (er war natürlich noch ein ganz kleines Kind) stellt sich die Berliner Zeit als eine glückliche dar. Man kann sich beinahe das Leben einer ziemlich „normalen“ Familie vorstellen; in gelegentlichen Bemerkungen klingt vage die Atmosphäre einer familiären Idylle an. Wie weit das wirklich zutrifft, lässt sich nicht mehr überprüfen. Sicher ist nämlich auch, dass Hanka keine Mutterrolle übernehmen will und dass das Leben von ständigen Auseinandersetzungen zwischen den Eltern überschattet gewesen sein muss. Unzählige Male verschwindet der Vater abends nach einer häuslichen Auseinandersetzung für die Nacht (so dass, als er eines Tages endgültig, nämlich nach Paris, abreist, dies dem kleinen Alexander zuerst gar nicht richtig bewusst wird). Maidi müsste in dieser Zeit eingeschult worden sein. Ob es irgend welche Kontakte zu Verwandten gab, wie das Verhältnis zu Alf Raddatz sich weiter entwickelte, alles das wissen wir nicht.

    Tatsächlich ließ sich bisher nicht aufklären, was Johannes Raddatz während dieser Zeit gemacht hat, wo er gelebt hat,

30   Mitteilung des Goethe- und Schiller-Archivs in der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen vom 5.8.2003. Die Hanka Grothendieck betreffende Akte wurde 1929 angelegt und in den dreißiger Jahren zur Vernichtung ausgesondert. Sie ist dort unter dem Namen Grothendieck-Raddatz verzeichnet. Es stellt sich die Frage, ob Hanka nach ihrer Scheidung diesen Namen angenommen hat? (Warum?) Auch die Heydorns (vgl. Kapitel 5) kannten sie unter diesem Namen. Demnach müsste auch Alexander diesen Familiennamen gehabt haben, bevor er zu einem unbekannten Termin endgültig den Namen Grothendieck erhielt.

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