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viele Bilder der Familie Grothendieck. Merkwürdig ist die Tatsache, dass die Heydorns und die Hamburger und anderen deutschen Grothendiecks nichts von einander wussten. Dabei hätte ein Blick ins Telefonbuch genügt.

Wo Maidi in den Jahren 1934 bis 1946 war, konnte bisher nur teilweise aufgeklärt werden. Einen entscheidenden Hinweis liefert ein in ihrem Nachlass gefundener Brief, den sie am 6.9.1938 an ihre Eltern geschrieben hat. Dieser Brief wurde auf Briefpapier geschrieben, das die Namen „Hilde Wulff“ und „Kinderheim im Erlenbusch“ enthält. Auch erinnern sich die Töchter von Maidi daran, dass ihre Mutter gelegentlich von einer „Tante Hilde“ erzählte. Auf diese Weise kommt man wiederum auf die Spur einer bemerkenswerten Persönlichkeit:

    Hilde Wulff wurde 1898 als Tochter einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie im Ruhrgebiet geboren. Im Alter von zwei Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung. Nach jahrelangen Krankenhausaufenthalten, Trennung von der Familie, Ausgeschlossenheit von Lern- und Bildungsmöglichkeiten und Privatunterricht beschloss sie, ihr Leben körperbehinderten Kindern zu widmen. Schon 1921 gründete sie die „Kinderheil- und Heimstätte Urdenbach“ bei Düsseldorf. Nach ihrer Machtübernahme enteigneten die Nationalsozialisten diesen Verein. Eine Reihe von Angestellten musste aus Deutschland fliehen. Trotzdem gründete Hilde Wulff im Oktober 1933 in Berlin-Charlottenburg erneut ein Heim, das zehn Kindern Platz bot. Die Jugendämter in Berlin wiesen behinderte Kinder oder solche mit Erziehungsschwierigkeiten oder schwierigem familiären Hintergrund ein. Man wird vermuten dürfen, dass auch Maidi Raddatz zu diesen Kindern gehörte – vielleicht wirklich vom Jugendamt eingewiesen, denn sie stand vermutlich unter Vormundschaft, da ihre Eltern geschieden waren und ihr Vater sich nicht um sie kümmerte. Im September 1935 siedelte Hilde Wulff mit dem ganzen Heim und allen Kindern nach Volksdorf bei Hamburg um. Sie führte dort das heute noch existierenden Kinderheim „Im Erlenbusch“, in dem zeitweise mehr als dreißig behinderte und nicht behinderte Kinder untergebracht waren. Sie versuchte erfolgreich, ihr Heim dem Einfluss der Nationalsozialisten zu entziehen, sie unterstützte Verfolgte des Nazi-Regimes, reiste 1935 sogar nach Palästina und Jerusalem. Hilde Wulff selbst und alle ihr anvertrauten Kinder überlebten die Zeit des Nationalsozialismus, wie sie selbst betont, mit Unterstützung und Hilfe von engagierten Ärzten und Fürsorgerinnen.

    Bei diesem zeitlichen Ablauf spricht alles dafür, dass Maidi zunächst in dem Heim in Berlin-Charlottenburg war und dann den Umzug nach Volksdorf mitgemacht hat. Da sie nicht behindert war, wird sie wohl eine öffentliche Schule besucht haben; vielleicht

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