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wurde sie aber auch von der für das Heim angestellten Lehrerin unterrichtet. Etwa 1939 könnte sie einen Volksschul-Abschluss gemacht haben; am 2.4.1939 wird sie in Volksdorf konfirmiert, nachdem sie drei Tage zuvor getauft worden war. (Das war ihr eigener Wunsch; ihre Eltern hatten als Atheisten sie natürlich nicht taufen lassen.) Ob sie noch länger die Schule besucht hat, ist nicht bekannt. Denkbar, vielleicht sogar wahrscheinlich ist, dass sie einige Zeit in dem Heim im Erlenbusch gearbeitet hat. Es heißt, dass sie später eine Ausbildung als Volksschullehrerin erhalten hat.

...

Wie schon aus den zu Beginn dieses Kapitels abgedruckten Erinnerungen Dagmar Heydorns hervorgeht, wurde spätestens Anfang 1939 den Pflegeeltern klar, dass ihr Zögling Schurik als Halbjude in Deutschland akut gefährdet war. Dass sie nicht gezögert haben, sondern trotz aller Schwierigkeiten seine Eltern in Frankreich ausfindig gemacht haben und ihn dorthin geschickt haben, hat ihm vielleicht das Leben gerettet. Seine Abreise musste sorgfältig geplant und als ein kurzer Besuch bei seiner Mutter deklariert werden. Jugendamt, Schule, Vormund und selbst die Hitler-Jugend mussten ihre Zustimmung geben. Eine Reihe von Briefen, die in diesem Zusammenhang gewechselt wurden, sind heute noch vorhanden. Wir werden später noch aus diesen Briefen zitieren, da sie ein wenig Auskunft über die Verhältnisse von Sascha und Hanka in dieser Zeit geben. Aus diesen Dokumenten ergibt sich auch, dass für Alexander ein Vormund bestellt war, ein gewisser Erich Finsterbusch, der ein Ingenieur-Büro in Blankenese betrieb. Am 31.3.1939 gibt er vor dem Amtsgericht folgende Erklärung ab 33:

Die Mutter meines Mündels, die ihren Wohnsitz in Nimes in Frankreich hat, möchte ihren Jungen einige Zeit bei sich haben. ... Ich selbst habe keine Bedenken zu erheben. Ich beantrage, meinem Mündel für diese Reise, die von Ostern bis Pfingsten dauern soll, die vormundschaftsgerichtliche Genehmigung zu erteilen. Mein Mündel ist ein intelligenter, ordentlicher Junge, der die Reise m. E. ohne Gefahren allein bewerkstelligen kann. Ich bitte um Beschleunigung, da er zu Ostern schon bei seiner Mutter sein möchte.

Eineinhalb Jahre später meldet sich am 2.11.1940 Erich Finsterbusch noch einmal beim Amtsgericht:

Hierdurch die Mitteilung, daß der Junge Alexander Grothendieck von seiner Reise aus Paris nicht wieder zurückgekehrt ist, ferner auch nicht wieder an Pastor Heydorn, sowie an mich geschrieben hat, irgendwelche zweckdienlichen Mitteilung über den Jungen können nicht gemacht werden.

33  Über

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