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angefangen hat.“ Wie schon gesagt, war er zunächst in Rostock Bierhändler. Auf der Heiratsurkunde der Eheschließung mit Anna Demmin ist als Beruf Oberkellner angegeben, aber dann muss es sehr bald zu einem rasanten Aufstieg gekommen sein: Schon kurze Zeit später besaß (oder betrieb er jedenfalls) ein Hotel gutbürgerlicher Klasse in guter Lage (mit „Damenkapelle“ und zahlreichen Angestellten), das „Rathhaus Hotel“ in Altona, Königsstraße, gleich gegenüber dem Rathaus von Altona. (Die Königstraße ist die Verlängerung der Reeperbahn nach Westen.) Es existieren noch Fotografien des Hotels und des Restaurants, die einen durchaus gehobenen Eindruck vermitteln. Die Familie wohnte in einer großen Wohnung mit einem gewissen Luxus; Kindermädchen und andere Bedienstete waren selbstverständlich.

    In den folgenden Jahren erlebten jedoch Hanka und ihre Geschwister den unaufhaltsamen wirtschaftlichen und sozialen Abstieg der Familie, verursacht vor allem durch die Großmannssucht des Vaters (er besuchte Pferderennen, statt sich um sein Hotel zu kümmern), aber auch durch Betrug, unvorteilhafte Pachtverträge und persönliche Schicksalsschläge wie anhaltende Krankheiten der Mutter, die große Kosten verursachten. Später kamen Krieg, Wirtschaftskrise und Inflation. Etwa um das Jahr 1905 kam es schon zu einem ersten vollständigen geschäftlichen Zusammenbruch; das Hotel musste aufgegeben werden, und von da an ging es nur noch abwärts. Aus dem Hotel wurde ab 1907 eine gepachtete Schankwirtschaft in der Bahnhofstraße, dann ab etwa 1911 ein Ausflugslokal auf dem Süllberg. Das hatte noch durchaus Niveau: Bis heute ist der Süllberg in Blankenese eine der nobelsten Adressen in Hamburg mit grandioser Aussicht auf die Elbe und ihr Umland. Mehrmals musste Albert sich bei Mitgliedern der wohlhabenden Familie seiner Frau Geld leihen; eine bei einer dieser Gelegenheiten verpfändete goldene Taschenuhr ist heute noch vorhanden.

    Besonders demütigend war es, dass Albert im Winter als Lohnkellner arbeiten musste und mehr als einmal Gäste bediente, die er noch wenige Jahre zuvor großartig als Hotelier begrüßt hatte. Schließlich war er als angestellter Kellner wieder dort angelangt, wo er angefangen hatte. Im August 1921, noch zu Beginn der Inflationszeit, erwarb er die Konzession für die Schuhputzstände und öffentlichen Toiletten auf dem Hamburger Bahnhof und führte, wie es auf dem Gewerbeschein heißt, einen Handel mit Toilettenartikeln, Schuhbedarfartikeln, Tabak, Zigaretten und Zigarren. Zum Schluss verlor er auch diese Konzession an die Konkurrenz und musste als angestellter Schuhputzer arbeiten. Die Wohnungen wurden immer kleiner, und schließlich wurden möblierte Zimmer vermietet, damit wenigstens etwas Geld ins Haus kam. Nach der Inflationszeit arbeitete er unter anderem als Wächter, sowie als Packer und Maler in kleineren Betrieben in Hamburg,

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